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AG, AR oder AF: Welche Behandlung braucht Touchscreen-Deckglas?

JASPERVeröffentlicht

AG, AR und AF lösen unterschiedliche Probleme bei Touchscreen-Deckglas. AG (Blendminderung) streut reflektiertes Licht und schwächt dadurch spiegelnde Reflexbilder ab. AR (Antireflex) verringert die Oberflächenreflexion und verbessert den Kontrast. AF (Anti-Fingerprint) vermindert die Haftung von Fingerabdrücken und erleichtert die Reinigung. Bei hochauflösenden Touchscreens sind diese Anforderungen getrennt auszulegen und zu prüfen: Ausgangspunkt sind die Lichtverhältnisse; die Abnahmekriterien für Optik, Pixelglitzern, Reinigbarkeit und Beständigkeit werden am montierten Display festgelegt.

Prüfbedingungen für vergleichbare Ergebnisse dokumentieren

AG, AR und AF erfüllen drei verschiedene Aufgaben

Wer pauschal eine „entspiegelte Beschichtung“ bestellt und damit zugleich Reflexionen, Fingerabdrücke und Reinigungsaufwand beherrschen möchte, riskiert eine falsche Deckglasauswahl. Es handelt sich um drei eigenständige technische Ziele.

Behandlung Hauptaufgabe Wesentlicher Nutzen Wichtiger Zielkonflikt Geeigneter Abnahmenachweis
AG – Blendminderung (Anti-Glare) Reflektiertes Licht streuen Spiegelbilder werden weniger scharf erkennbar Zu starke Streuung kann die wahrgenommene Bildschärfe mindern und Pixelglitzern verursachen Reflexbild, Trübung/Bildklarheit und Sparkle am vorgesehenen Display
AR – Antireflex (Anti-Reflective) Oberflächenreflexion verringern Besserer Kontrast und bessere Lesbarkeit bei hellem Umgebungslicht Schichtsystem kann von Spektrum, Winkel, Abrieb und Verunreinigung beeinflusst werden Spektraler oder photopischer Reflexionsgrad, Farbverschiebung, Beständigkeit
AF – Anti-Fingerprint Oberflächenenergie senken Weniger anhaftende Schmierfilme und leichteres Reinigen Wirkung kann durch Abrieb und aggressive Reinigungschemikalien nachlassen Kontaktwinkel, Beständigkeit nach Wischen/Abrieb, Reinigbarkeit

Bei industriellen Touchscreens darf keine Einzelkennzahl allein über die Freigabe entscheiden. Ein niedriger Trübungswert beweist kein geringes Pixelglitzern; ein niedriger Reflexionsgrad sagt nichts über die Reinigbarkeit aus; und ein hoher anfänglicher Kontaktwinkel garantiert keine AF-Beständigkeit nach wiederholtem Wischen.

Zuerst das sichtbare Problem bestimmen

Entscheidend ist, welche Beeinträchtigung die Bedienperson im realen Betrieb tatsächlich wahrnimmt.

AG wählen, wenn störende Spiegelbilder auftreten

Eine AG-Oberfläche verteilt Reflexionen über einen größeren Winkelbereich, statt sie spiegelartig abzubilden. So können Spiegelbilder von Deckenleuchten, Fenstern oder Sonnenlicht weniger konturiert erscheinen. Dieselbe Struktur streut unter Umständen auch das vom Display durchgelassene Licht. Deshalb gehören Bildklarheit und Pixelglitzern ebenso zur Abnahme wie die Beurteilung der Blendung.

AG sollte meist zuerst untersucht werden, wenn:

  • das Display unter starker Deckenbeleuchtung betrieben wird;
  • reflektierte Gegenstände trotz ausreichender Displayleuchtdichte vom Inhalt ablenken;
  • eine matte Anmutung akzeptabel ist;
  • die Displaygröße Spiegelungen zu einem wesentlichen Ergonomieproblem macht.

Bei Displays mit hoher Pixeldichte ist eine eigene Sparkle-Prüfung erforderlich. Feine AG-Strukturen können mit dem Pixelraster wechselwirken, sodass gleichmäßige Flächen körnig erscheinen. Sparkle ist nicht gleich Haze: Haze bezeichnet die weitwinklige Streuung des durchgelassenen Lichts; Sparkle ist eine räumliche Helligkeitsungleichmäßigkeit, die durch den Displayaufbau sichtbar wird.

AR wählen, wenn die Oberflächenreflexion stört

AR reduziert mit einem optischen Schichtsystem den Anteil des Umgebungslichts, der zur betrachtenden Person zurückgeworfen wird. Dadurch kann sich der wahrgenommene Kontrast erhöhen, ohne das Reflexbild absichtlich diffus zu machen.

AR sollte meist zuerst geprüft werden, wenn:

  • hohe wahrgenommene Bildschärfe erhalten bleiben muss;
  • dunkle Bereiche der Bedienoberfläche bei hellem Umgebungslicht verwaschen wirken;
  • eine glänzende Oberfläche zulässig ist;
  • ein niedrigerer Reflexionsgrad und nicht eine matte Oberfläche benötigt wird.

Für die Beschaffung reicht „AR-beschichtet“ als Spezifikation nicht aus. Festzulegen sind Wellenlängenbereich, Einfallswinkel, gemessene Seite beziehungsweise gesamte Deckglaskonstruktion und Zustand bei der Messung. Ein sinnvoller anfänglicher Entwicklungszielwert für eine hochwertige AR-Oberfläche im sichtbaren Bereich ist ein mittlerer Reflexionsgrad von höchstens 1,0 % bei 450–650 nm und annähernd senkrechtem Lichteinfall. Die tatsächliche Glas- und Schichtkombination muss diesen Wert bestätigen. Er ist ein Entwicklungsziel, keine allgemein verbindliche Industrievorgabe.

AF wählen, wenn Berührungsspuren das Problem sind

AF ist eine Behandlung mit niedriger Oberflächenenergie. Sie soll Haftung und Sichtbarkeit von Fingerabdrücken, Ölen und Schmierfilmen vermindern und das Abwischen erleichtern. AF verbessert die Bedienoberfläche, ersetzt aber weder AG noch AR in ihrer optischen Funktion.

Für häufig berührte Industriepanels kann zunächst ein Wasserkontaktwinkel ≥105° als AF-Entwicklungsziel dienen. Tropfenvolumen und Messverfahren sind zu dokumentieren. Wichtiger als der Neuzustand ist die Dauerhaftigkeit: Nach dem vereinbarten Abrieb- oder Reinigungszyklus wird der Kontaktwinkel erneut gemessen und vor der Produktionsfreigabe die mindestens verbleibende Wirkung definiert.

Bei hohen Anforderungen an die Abweisung öliger Fingerabdrücke ist zusätzlich ein Kontaktwinkeltest mit Öl beziehungsweise Ölsäure oder ein kontrolliertes Fingerabdruck- und Reinigbarkeitsverfahren vorzusehen. Der Wasserkontaktwinkel beschreibt die Hydrophobie, nicht vollständig das oleophobe Verhalten.

Den Schichtaufbau anhand getrennter Abnahmefragen festlegen

AG, AR und AF lassen sich kombinieren. Die Reihenfolge und Wechselwirkung der Schichten müssen aber gezielt optisch und oberflächentechnisch ausgelegt werden. Drei einzeln überzeugende Behandlungen ergeben nicht automatisch einen überzeugenden Gesamtaufbau.

Empfohlene Entscheidungsfolge:

  1. Umgebungslichtproblem beschreiben. Beleuchtungsstärke, Position der wichtigsten Lichtquellen, typische Blickwinkel und die Art der Beanstandung – scharfes Spiegelbild oder allgemeiner Kontrastverlust – erfassen.
  2. Displaykonfiguration festhalten. Displaymodell, Pixeldichte, Helligkeitseinstellung, Deckglasdicke, Luftspalt oder optische Verklebung sowie Polarisatoren und Folien dokumentieren.
  3. Optischen Weg wählen. Bei störenden Spiegelbildern mit AG beginnen, bei hoher Oberflächenreflexion mit AR. AG+AR nur dann gemeinsam untersuchen, wenn beide Anforderungen tatsächlich vorliegen.
  4. AF als eigene Oberflächenanforderung ergänzen. Reinigbarkeit und Beständigkeit definieren; eine automatische Verträglichkeit mit der darunterliegenden optischen Schicht nicht voraussetzen.
  5. Am montierten Display validieren. Prüfcoupons eignen sich für die Wareneingangskontrolle. Pixelglitzern, Kontrast, Farbe und Erscheinungsbild von Spiegelungen sind jedoch am repräsentativen Displayaufbau zu beurteilen.
  6. Abnahmeverfahren verbindlich festhalten. Prüfvorrichtung, Winkel, Lichtquelle, Testbild, Reinigungsmedium, Probenvorbehandlung sowie Bestehens- und Ablehnungsgrenzen in Zeichnung oder Qualitätsplan aufnehmen.

Ergebnis ist nicht bloß die Bezeichnung „AG-Glas“ oder „AR-Glas“, sondern eine messbare Oberflächenspezifikation für das spätere Display.

Für AG Blendminderung und Bildklarheit gemeinsam abnehmen

„Je matter, desto besser“ ist kein tragfähiges AG-Kriterium. Stärkere Streuung kann Spiegelbilder unterdrücken und gleichzeitig die Klarheit des übertragenen Bilds beeinträchtigen.

Die AG-Abnahme sollte drei Merkmale getrennt behandeln:

AG-Merkmal Messung oder Beobachtung Technische Entscheidung
Unterdrückung von Spiegelbildern Kontrollierte Reflexionsszene oder winkelabhängige Reflexionsmessung Störende Reflexbildkonturen müssen bei den vorgesehenen Blickwinkeln abnehmen
Bildklarheit in Transmission Trübung plus Verfahren für Klarheit/Auflösung am tatsächlichen Display Texte, Symbole und feine Grafiken der Bedienoberfläche müssen lesbar bleiben
Sparkle/Pixelglitzern Vollflächig grüne, graue und weiße Testbilder bei der vorgesehenen Pixeldichte Der von Entwicklung und Qualität vereinbarte visuelle Grenzwert darf nicht überschritten werden

ASTM D1003 kann, soweit Material und Messgeometrie geeignet sind, als Referenzverfahren für Trübung und Lichttransmission dienen. Haze allein ist jedoch kein ausreichendes AG-Kriterium: Trotz akzeptabler Trübung können störendes Pixelglitzern oder verlorene feine Details auftreten.

Bei hochauflösenden Modulen sollten mindestens drei Vollbilddarstellungen geprüft werden: Grün, 50 % Grau und Weiß. Grün lässt Sparkle häufig deutlicher hervortreten; Grau und Weiß helfen, großflächige Ungleichmäßigkeiten und Klarheitsverluste zu erkennen. Betrachtungsabstand, Blickwinkel, Umgebungslicht und Displayleuchtdichte müssen für Chargenvergleiche konstant bleiben.

AR mit spektralen, winkelabhängigen und Beständigkeitsgrenzen spezifizieren

Eine einzige Reflexionszahl kann mehrere AR-Fehler verdecken. Zu bewerten ist das Schichtsystem über den sichtbaren Spektralbereich und für die Blickwinkel des konkreten Produkts.

Mindestens zu dokumentieren sind:

  • Zielwert des mittleren Reflexionsgrads und zugehöriger Wellenlängenbereich;
  • Reflexionsgrad oder Farbverschiebung bei schrägem Blickwinkel, wenn nicht ausschließlich frontal auf das Panel gesehen wird;
  • die beschichtete Seite;
  • Glasart und Glasdicke;
  • Probenzustand: beschichteter Coupon, fertiges Deckglas oder verklebte Displaybaugruppe;
  • projektbedingt notwendige Beanspruchungen durch Abrieb, Feuchte, Temperatur und Reinigungschemikalien.

Für einen OEM-Abnahmeplan ist ≤1,0 % mittlerer Reflexionsgrad bei 450–650 nm und annähernd senkrechtem Einfall lediglich ein erster Vergleichsmaßstab für hochwertige Ausführungen. Der endgültige Grenzwert wird erst nach Prüfung von Lesbarkeit, Farbe, Schichtbeständigkeit und Lieferfähigkeit der gewählten Konstruktion festgelegt.

Zeigt die Beschichtung eine sichtbare Restfarbe, muss die Abnahme ausdrücklich eine numerische Farbgrenze, einen Vergleich mit einem Referenzmuster oder beides vorsehen. „Keine Farbverschiebung“ ohne festgelegtes Verfahren ist keine ausreichende Vorgabe.

AF nach verbleibender Wirkung statt nur im Neuzustand bewerten

Neue AF-Oberflächen erscheinen häufig überzeugend. Für den Einsatz zählt, wie sie sich nach Fertigungshandhabung, Reinigung und normaler Nutzung verhalten.

Ein belastbarer AF-Qualitätsplan umfasst vier Prüfzeitpunkte:

Prüfpunkt Zu dokumentieren Zweck
Oberfläche im Neuzustand Wasserkontaktwinkel; optional Kontaktwinkel mit Öl/Ölsäure Vorhandensein und Gleichmäßigkeit der Behandlung prüfen
Abriebbeständigkeit Definierte Last, Abriebmedium, Hubweg und Zyklenzahl Reproduzierbare Beständigkeitsprüfung ermöglichen
Oberfläche nach Abrieb Kontaktwinkel nach festgelegter Beanspruchung Verbleibende Wirkung erfassen
Reinigbarkeit Standardisierte Verschmutzung, feste Wischzahl und Reinigungsmedium Laborwert der Oberflächenenergie mit praktischer Bedienbarkeit verbinden

Für ein hochwertiges Touchscreen-Projekt ist ≥105° anfänglicher Wasserkontaktwinkel ein möglicher Entwicklungsstartwert. Zusätzlich ist nach dem vereinbarten Beständigkeitszyklus ein projektspezifischer Mindest-Restwert festzulegen. Wird im Einsatz mit Alkohol, Reinigungsmittel, Desinfektionsmittel oder einer anderen Chemikalie gearbeitet, muss genau dieses Mittel in die Verträglichkeitsprüfung einbezogen werden. Die chemische Beständigkeit einer beliebigen AF-Schicht darf nicht vorausgesetzt werden.

Bei AG + AR + AF die Grenzflächen und Prozessfolge prüfen

Ein kombinierter Aufbau ist sinnvoll, wenn sowohl diffuse Blendminderung als auch geringe Restreflexion und leichte Reinigung benötigt werden. Allerdings kann jeder Oberflächenprozess das Ergebnis des folgenden verändern.

Typische Fehlerpfade sind:

  • die AG-Struktur verändert das wirksame optische Verhalten und damit die AR-Wirkung;
  • der AF-Auftrag verändert Restreflexion oder Farbe auf der AR-Oberfläche;
  • Reinigung oder Abrieb beeinträchtigen AF früher als die optischen Schichten;
  • AG-Rauheit kaschiert Fingerabdrücke, erschwert aber das Reinigen von Vertiefungen;
  • die Beschichtung ist an bedruckten Rändern, Öffnungen, Kantenstufen oder maskierten Bereichen ungleichmäßig;
  • Prozesstemperatur oder Chemikalien beeinflussen Bedruckung, Klebstoff, Vorspannungszustand oder spätere Verklebung.

Die Abnahmeprobe muss daher die spätere Prozessreihenfolge abbilden. Eine separat freigegebene AG-Probe, eine AR-Probe und eine AF-Probe ersetzen keine Qualifizierung des kombinierten Serienaufbaus.

Prüfbedingungen für vergleichbare Ergebnisse dokumentieren

Für jeden Oberflächenkandidaten sollte ein einheitlicher technischer Datensatz geführt werden. Die folgende Tabelle lässt sich für Zeichnungsfreigaben und Qualifizierungsprotokolle verwenden.

Feld Angaben je Kandidat
Deckglas Material, Dicke, Vorspannungszustand, Abmessungen
Oberflächenaufbau Reihenfolge von AG / AR / AF und beschichtete Seite
Display Modell, Pixeldichte, Leuchtdichteeinstellung, Verklebungszustand
Umgebungslichtprüfung Beleuchtungsstärke, Lichtquelle, Lichteinfallswinkel, Blickwinkel
AG-Kennwerte Trübung, Klarheits-/Auflösungsverfahren, Sparkle-Testbildsatz und Bewertung
AR-Kennwerte Reflexionsmessbereich, Einfallswinkel, Restfarbe, Beständigkeitszustand
AF-Kennwerte Anfänglicher Kontaktwinkel, Kontaktwinkel nach Belastung, Reinigungsverfahren
Reinigung Chemikalie, Konzentration, Tuch/Wischer, Druck oder Last, Zyklen
Sichtbare Fehler Fehlstellen der Beschichtung, Randungleichmäßigkeit, Flecken, Regenbogenfarben, Kratzer
Entscheidung Bestanden / bedingt bestanden / nicht bestanden, mit Begründung und Verantwortlichem

Damit wird ein häufiger Beschaffungsfehler vermieden: Zwei Muster heißen „AG+AF“, wurden aber mit unterschiedlichen Displays, Lichtquellen, Wischmedien oder Grenzwerten geprüft und sind deshalb nicht direkt vergleichbar.

Oberflächenspezifikation auf den gesamten Touchpanel-Aufbau abstimmen

Die Deckglasbehandlung ist nur ein Teil einer projiziert-kapazitiven Bedienoberfläche. Glasdicke, dielektrischer Aufbau, optische Verklebung, Displaystörungen, Controller-Abstimmung sowie Bedienung bei Nässe oder mit Handschuhen können die Eigenschaften des fertigen Produkts verändern.

Bei Projekten mit Displayfenster kann JASPER die Deckglasbehandlung gemeinsam mit Touchpanel-Aufbau und Zeichnungsvorgaben prüfen. Die Produktseite Touchpanels mit Displayfenster ist der vorgesehene Einstieg für diese Integration.

Vor der Freigabe sollten Zeichnung und Validierungsvorgaben gemeinsam fixiert werden: Außenkontur und aktive Fläche, Deckglasaufbau, Displaymodell, Host/Schnittstelle, Handschuh- und Nassbedienung, Stückzahl sowie Abnahmeprüfungen. Nur so werden optische Erscheinung, Touchfunktion und Fertigungsverantwortung nicht in unverbundene Spezifikationen aufgeteilt.

Auswahlmatrix für die OEM-Konstruktionsprüfung

Die Matrix dient der ersten Entscheidung. Vor einer endgültigen Freigabe müssen vorläufige Zielwerte anhand von Musterprüfungen durch projektspezifische Grenzwerte ersetzt werden.

Auswahlmatrix für die OEM-Konstruktionsprüfung
Vergleichshilfe. Es gelten die im Artikel beschriebenen Bedingungen.
Anforderung AG AR AF Empfohlene Validierung
Scharfe Spiegelbilder von Leuchten/Fenstern stören Vorrangig Optional Keine direkte Wirkung Kontrollierte Reflexionsszene und Sichtprüfung am montierten Display
Helles Umgebungslicht lässt dunkle UI-Bereiche verblassen Je nach Geometrie hilfreich Vorrangig Keine direkte Wirkung Reflexionsgrad sowie Kontrast-/Lesbarkeitsprüfung
Bei hoher Pixeldichte wirkt das Bild körnig Zu beherrschendes Risiko Meist geringeres Risiko Keine direkte Wirkung Sparkle-Prüfung mit grünen/grauen/weißen Vollbildern
Häufige Fingerabdrücke beeinträchtigen die Bildwahrnehmung Kann Spuren optisch kaschieren Verhindert das Anhaften nicht Vorrangig Kontaktwinkel und kontrollierte Reinigbarkeitsprüfung
Einfache tägliche Reinigung ist wichtig Textur kann das Wischen beeinflussen Neutral bis unterschiedlich Vorrangig Definierte Verschmutzung, Wischmedium und Zyklenzahl
Hochwertig glänzendes Erscheinungsbild gefordert Meist nicht bevorzugt Vorrangig Häufig kombiniert Referenzmuster, Reflexionsgrad und AF-Restwirkung
Matte Anmutung gefordert Vorrangig Kombinierbar Häufig kombiniert Blendung, Klarheit, Sparkle und Reinigung am Endaufbau

Die wichtigste Regel lautet: Eine Oberfläche wird anhand des Fehlers abgenommen, den sie verhindern soll. Bei AG zählen wirksame Blendminderung ohne unzulässigen Klarheits- oder Sparkle-Verlust, bei AR Reflexions- und Farbverhalten mit Beständigkeit, bei AF die Reinigbarkeit und die verbleibende Oberflächenwirkung nach Verschleiß.

Häufige Fragen

Sind AG und AR bei Touchscreen-Deckglas dasselbe?

Nein. AG streut Licht und macht Spiegelbilder weniger scharf; AR verringert die von der Oberfläche reflektierte Lichtmenge. Eine zu ausgeprägte AG-Textur kann Trübung oder Pixelglitzern verursachen. AR kann die glänzende Oberfläche erhalten; Spektral-, Winkel- und Beständigkeitseigenschaften müssen dennoch definiert werden.

Lassen sich AG und AR kombinieren?

Ja, wenn sowohl eine Unterdrückung scharfer Spiegelbilder als auch geringere Restreflexion benötigt werden. Der kombinierte Aufbau muss als fertiges Schichtsystem geprüft werden: AG-Strukturen beeinflussen die Optik, AR kann Restfarbe und zusätzliche Beständigkeitsbedingungen mit sich bringen. Einzelne freigegebene AG- und AR-Coupons qualifizieren das kombinierte Deckglas nicht.

Was bewirkt AF zusätzlich zu AG oder AR?

AF verbessert die Eigenschaften hinsichtlich Fingerabdrücken, Schmierfilmen, Berührungsgefühl und Reinigbarkeit; Blendung und Oberflächenreflexion sind nicht seine Hauptaufgabe. Auf einer kompatiblen optischen Schicht ist AF möglich. Nach vollständiger Prozessfolge sind jedoch Kontaktwinkel, Reinigungsbeständigkeit, Reflexions- oder Farbänderung und Schichtgleichmäßigkeit zu prüfen.

Welcher anfängliche AF-Kontaktwinkel ist sinnvoll?

Für hochwertige Ausführungen kann ein Wasserkontaktwinkel von mindestens 105° auf der frischen, fertig behandelten Oberfläche als Ausgangsziel dienen. Zeichnung und Prüfplan müssen außerdem das Messverfahren und einen nach vereinbartem Abrieb- oder Reinigungsversuch verbleibenden Mindestwert definieren. Wenn Ölabweisung wichtig ist, empfiehlt sich zusätzlich ein Kontaktwinkeltest mit Öl/Ölsäure oder ein kontrollierter Fingerabdrucktest.

Warum kann AG-Glas auf hochauflösenden Displays körnig wirken?

AG-Oberflächen können Licht einzelner Pixel brechen und streuen. Daraus entsteht eine zufällige Helligkeitsvariation, das sogenannte Sparkle oder Pixelglitzern. Die Stärke hängt von Textur, Pixelgeometrie, Displayaufbau, Betrachtungsabstand und Testbild ab. Deshalb ist bei hoher Pixeldichte eine Sparkle-Prüfung am montierten Display nötig; der Haze-Wert allein reicht nicht.

Reicht der Trübungswert für die AG-Freigabe?

Nein. Haze beschreibt die weitwinklige Streuung des durchgelassenen Lichts, sagt aber nicht vollständig voraus, wie gut Spiegelbilder unterdrückt werden, ob feine Details klar bleiben oder ob Sparkle auftritt. Erforderlich sind außerdem eine Klarheits-/Auflösungsprüfung, eine kontrollierte Reflexionsbewertung und die Sparkle-Beurteilung am vorgesehenen Displayaufbau.

Genügt für AR ein einziger Reflexionsgrad?

Nein. Wellenlängenbereich, Einfallswinkel, beschichtete Seite, Probenaufbau und Beständigkeitszustand müssen feststehen. Für einen frühen Konstruktionsvergleich kann ein mittlerer Reflexionsgrad von höchstens 1,0 % bei 450–650 nm und annähernd senkrechtem Einfall als Ziel hochwertiger Ausführungen dienen. Der endgültige Abnahmewert ist an der qualifizierten Glas-Schicht-Kombination festzulegen.

Welche Angaben werden für die Prüfung eines AG/AR/AF-Deckglases benötigt?

Benötigt werden Außenkontur und aktive Fläche, Deckglasaufbau, Displaymodell, Host/Schnittstelle, Bedingungen für Handschuh- und Nassbedienung, erwartete Stückzahl und geforderte Abnahmeprüfungen. Falls bekannt, sollten Beleuchtungs- und Reinigungsumgebung ergänzt werden. Damit kann JASPER optische Ziele, Einschränkungen der Touchfunktion und Prüfungen der Oberflächenbeständigkeit vor der Musterfreigabe getrennt bewerten.

Nächster Schritt

Für ein neues Touchscreen-Projekt sollten Zeichnung, Displaydaten und Abnahmeanforderungen zusammen eingereicht werden, statt nur „AG“, „AR“ oder „AF“ anzugeben. Nutzen Sie Zeichnung senden und nennen Sie Außenkontur und aktive Fläche, Deckglasaufbau, Displaymodell, Host/Schnittstelle, Handschuh- und Nassbedienung, Stückzahl sowie die optischen und reinigungsbezogenen Abnahmeprüfungen, die das Muster bestehen soll.

Zeichnung, Schichtaufbau und Einsatzbedingungen bereitstellen

Das JASPER Engineering prüft Schnittstellen, offene Risiken und die Nachweise für ein belastbares Angebot.