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HMI-Hardware für Wasser- und Abwasseranlagen: Auslegungs- und Validierungsleitfaden

JASPER EngineeringVeröffentlicht 13.09.202614 Min. Lesezeit

HMI-Hardware für Wasser- und Abwasseranlagen muss nach der realen Einbausituation ausgelegt werden, nicht nach einer isolierten IP-Zahl. Für OEM-Konstruktion, Qualität und technischen Einkauf sind fünf Eingaben entscheidend: Wasser- und Chemikalienkontakt, Bedienung mit nassen Handschuhen, Ablesebedingungen, Schnittstellen zum Schaltschrank und Wartungsablauf. Empfohlen wird eine als System spezifizierte Frontbaugruppe aus Display, Touch oder Tasten, Deckscheibe beziehungsweise Overlay, Dichtfuge, Träger, Schaltung und abgedichteten Anschlüssen. PLC- und SCADA-Programmierung gehören nicht zu dieser Fertigungsentscheidung. In Ex-Bereichen, bei dauerhaftem Untertauchen oder sicherheitsgerichteten Bedienfunktionen reicht eine gewöhnliche kundenspezifische HMI-Baugruppe nicht aus.

HMI-Baugruppen

Fachstand: 24. August 2026

Schnellentscheidung: Der Standort bestimmt den HMI-Aufbau

Einsatzort Hauptbelastung Sinnvolle Hardware-Richtung Vor Freigabe nachweisen
Trockener Technikraum Staub, Bedienverschleiß, ESD Schaltschrank-Einbaupanel mit definierter Frontdichtung Ausschnitt, Dichtpressung, ESD und Ablesung
Nasser Innenbereich Spritzwasser, feuchte Handschuhe, Kondensat Fugenarme Front, abgedichteter Einbau, projektbezogen abgestimmter Touch Schutzart am montierten Panel, Nass-/Handschuhtest, Kondensationsprüfung
Chemikaliendosierung Tropfen, Aerosole, Wischreinigung Medienbeständige Decklage, Dichtung und Beschriftung; Anschlüsse aus der Tropfzone Medienmatrix mit Konzentration, Temperatur, Kontaktzeit und Reinigungsfolge
Außenstation oder Pumpwerk Regen, Sonne, Temperaturwechsel, lange Leitungen Vollständig betrachtetes Gehäuse, entspiegelte Anzeige, Kondensationskonzept, geschützte Ports Temperaturwechsel, Feuchtezyklen, Ablesung, EMV und Leitungsweg
Potenziell explosionsfähiger Bereich Zündgefahr zusätzlich zur Feuchte Nur für Zone und Gerätekategorie geeignete, bewertete Hardware Konformitätsbewertung für den vorgesehenen Ex-Einsatz

Die passende HMI-Baugruppe entsteht damit aus der Belastungskette. Eine höhere Katalog-Schutzart allein löst weder Chemikalienbeständigkeit noch Fehlbedienung, Blendung oder eine undichte Kabelschnittstelle.

Was umfasst HMI-Hardware für Wasser- und Abwasseranlagen?

HMI-Hardware für Wasser- und Abwasseranlagen ist die physische Bedien- und Anzeigeeinheit zwischen Mensch, Schaltschrank und Steuerung. Sie umfasst die Frontplatte, Anzeige, Touchsensorik oder Tasten, grafische Decklage, gedruckte Schaltung beziehungsweise Flexleiter, Dichtung, Träger, Befestigung und elektrische Übergabe. Eine grundlegende Einordnung liefert Was ist ein HMI-Panel? Hardwareaufbau.

Ein typischer Aufbau wird von außen nach innen spezifiziert:

  1. Deckscheibe oder Overlay: Berühr-, Reinigungs- und Sichtfläche mit Beschriftung, Entspiegelung und gegebenenfalls chemikalienbeständiger Funktionsschicht.
  2. Touchsensor oder Tastenschicht: PCAP-Sensor, resistiver Touch, Folientastatur oder eine Kombination mit getrennten Harttasten.
  3. Optischer Verbund: Luftspalt, optisch klarer Klebstoff oder eine andere definierte Kopplung zwischen Front und Display.
  4. Displaymodul: aktive Fläche, Auflösung, Blickwinkel, Helligkeitsregelung, Temperaturbereich und Anschluss.
  5. Träger und Dichtfuge: Frontplattenmaterial, Ausschnitt, Ebenheit, Dichtung, Klebstoff, Schraub- oder Klemmkonzept.
  6. Schaltung und Flexausgang: Leiterbild, Tastenmatrix, LEDs, Steckverbinder, Zugentlastung und Schirmanbindung.
  7. Rückseitige Systemgrenze: Schaltschranktür, separates Bediengehäuse oder Maschinenverkleidung einschließlich Kabeldurchführungen.

Nicht Teil dieser Fertigung sind SPS-Logik, SCADA-Bilder, Alarmdatenbank, Benutzerverwaltung und Netzwerkbetrieb. Diese Funktionen liefern jedoch Schnittstellendaten: Anzahl der Bedienhandlungen, Anzeigestatus, Kommunikationsart, Startverhalten und Reaktion bei Verbindungsverlust.

Eine Applikations-Risikomatrix verhindert die falsche Schutzart

Die Risikomatrix muss den Kontaktpfad und die Ausfallfolge benennen. „Feuchte Umgebung“ ist zu ungenau: Kondensation hinter dem Panel, gerichtetes Strahlwasser auf der Front und ein Chlordioxid-Spritzer beanspruchen unterschiedliche Schichten.

Belastungsszenario Typischer Fehlerpfad Hardwareentscheidung Erforderliche Projekteingabe
Spritzwasser von vorn Eintritt an Ausschnitt, Tastenrand oder Displayfuge Geschlossene Frontkontur und kontrollierte Dichtpressung Richtung, Dauer, Reinigungsdruck, montierter Prüfling
Kondensation im Fernschrank Wasserfilm auf Leiterplatte, Stecker oder Bondkante Klima-, Ablauf- und Beschichtungskonzept auf Systemebene Temperaturprofil, Taupunktwechsel, Heizungs-/Lüftungskonzept
Dosierchemikalie Aufquellen, Spannungsriss, Farbverlust oder Klebstoffablösung Werkstoffauswahl je Medium statt Sammelbegriff „chemikalienfest“ Stoffname, Konzentration, Temperatur, Kontaktzeit, Spülung
Nasse Handschuhe Fehlauslösung, keine Auslösung oder Schleppkontakt Touchtechnologie und Controller am finalen Stack abstimmen Material, Dicke, Nässefilm, Zielgröße, Bedienkraft
Sonnenlicht / dunkles Bauwerk verdeckter Alarm oder Reflexion Kontrast-, Entspiegelungs- und Beleuchtungskonzept Beleuchtungsstärke, Blickwinkel, Distanz, Tag-/Nachtzustand
Türschlag / Vibration Steckerlockerung, Kabelzug, Display- oder Dichtungsschaden Trägersteifigkeit, Zugentlastung und Halterung auslegen Schwingprofil, Türmasse, Transport- und Servicezustand
Wartung bei Nässe offene Buchse, verdrehte Dichtung, falsches Drehmoment gekennzeichnete Ports, Blindkappen und fehlersichere Montage Serviceablauf, Werkzeug, Ersatzteil- und Reinigungszustand

Für Umgebungen mit mehreren gleichzeitigen Belastungen hilft die ergänzende Einordnung Robuste HMI-Auslegung für raue Umgebungen. Die Matrix ersetzt keine Risikoanalyse der Gesamtanlage; sie übersetzt deren Ergebnisse in fertigungstaugliche HMI-Eingaben.

Frontdichtung: Die montierte Baugruppe ist die Prüfgrenze

Die Dichtheit einer HMI-Front entsteht erst aus Deckfläche, Klebung oder Dichtung, Frontplattenausschnitt, Befestigung, Kabelausgang und Montagezustand. IEC 60529 klassifiziert den Gehäuseschutz über den IP-Code; sie belegt keine Beständigkeit gegen eine konkrete Prozesschemikalie und macht aus einem frontseitig geschützten Panel kein rundum dichtes Gehäuse.

Für die Zeichnung sind deshalb vier Grenzen getrennt anzugeben: Schutz von vorn, Schutz der Rückseite, Zustand der Steckverbinder und Schutz der Einbauschnittstelle. Eine Angabe wie „IP66 frontseitig, in spezifiziertem Ausschnitt montiert“ ist konstruktiv aussagekräftiger als ein unkommentiertes „wasserdicht“. Soll die Station von allen Seiten gereinigt werden, müssen Rückwand, Kabelverschraubungen, Druckausgleich, Blindstopfen und Serviceanschlüsse in denselben Prüfaufbau.

Die Dichtfuge braucht eine definierte Breite, Kompression, Ebenheit und Oberflächenqualität. Schraubenabstand und Trägersteifigkeit müssen lokale Unterpressung verhindern, ohne Display oder Deckscheibe zu verspannen. Entwässerungswege dürfen Flüssigkeit nicht an Schnittkanten oder Buchsen führen. Nach einer Demontage ist festzulegen, ob die Dichtung wiederverwendet werden darf oder als Austauschteil gilt.

PCAP, resistiver Touch oder Tasten: Nässe und Handschuh gemeinsam prüfen

Keine Touchtechnologie ist allein durch ihren Namen nass- und handschuhtauglich. Entscheidend sind Sensor, Controller, Frontmaterial, Dicke, Luftspalt, Erdung, Handschuh, Flüssigkeitsfilm und Parametrierung als zusammengehöriger Stack.

Bedienvariante Stärke im Wasserumfeld Kritischer Punkt Geeignet, wenn
PCAP-Touch Geschlossene Glasfront, Multi-Touch möglich, keine Druckmembran Wasser kann kapazitiv koppeln; dicke oder isolierende Handschuhe verändern das Signal Controller und Sensor am finalen Stack mit realen Handschuhen und Flüssigkeiten abgestimmt werden
Resistiver Touch Druckbasierte Bedienung funktioniert mit vielen Handschuhen und passivem Stift Deckfolie wird mechanisch belastet; Sichtfläche und Randdichtung müssen zum Reinigungsprofil passen eindeutige Einpunktbedienung und definierte Betätigung wichtiger sind als Gesten
Folientasten klar abgegrenzte Ziele, taktile Optionen, direkte LED-Integration Prägungen, Tastenränder und Leiterbahnübergänge werden Teil der Dicht- und Lebensdauerbetrachtung wenige wiederkehrende Befehle blind oder mit dicken Handschuhen sicher auffindbar sein müssen
Hybrid aus Touch und Harttasten flexible Visualisierung plus physisch auffindbare Kernfunktionen mehr Schnittstellen, Platz und Validierungsaufwand Alarmquittierung, Navigation oder lokale Betriebswahl nicht nur auf virtuellen Zielen liegen sollen

Ein Produktbeispiel zeigt die notwendige Abgrenzung: Das Microchip-mXT2952T2-Datenblatt nennt für genau diesen Controller unter seinen Bedingungen Wasserkompensation bei Tropfen bis 22 mm, Mehrfinger-Handschuhbedienung bis 1,5 mm und Einfingerbetrieb mit bestimmten Materialien bis 5 mm. Diese Werte sind kein PCAP-Branchenwert. Ein anderer Sensor, eine andere Deckscheibe oder eine geänderte Masseanbindung kann ein neues Tuning und eine neue Prüfung erfordern.

Für die Freigabe werden mindestens trockener Finger, trockener Handschuh, nasser Handschuh, Tropfen, zusammenhängender Wasserfilm und Wischbewegung getestet. Akzeptanzkriterien sind verfehlte Eingaben, Fehlauslösungen, Haltezeit, Bedienkraft, Zielgröße und Rückkehr in den Normalzustand. Eine sicherheitsgerichtete Stoppfunktion gehört nicht ungeprüft auf eine virtuelle Taste.

Alarmanzeige bleibt nur mit optischer Reserve und unabhängigen Signalen sichtbar

Alarm-Sichtbarkeit ist eine Hardwareanforderung, sobald Umgebungslicht, Reflexion, Blickwinkel oder verschmutzte Oberflächen die Darstellung verdecken können. Die Freigabe sollte den realen Betrachtungsabstand und mindestens den ungünstigsten Blickwinkel bei Tag-, Nacht- und Wartungsbeleuchtung enthalten.

Optisches Bonding kann Reflexionen an der Touch-/LCD-Grenze verringern; 3M beschreibt diesen Effekt für den optisch klaren Klebstoff 1088. Der Verbund bringt jedoch eigene Anforderungen an Blasenfreiheit, Randabdichtung, Materialausdehnung und Reparatur. Eine matte Front reduziert Spiegelungen, kann aber Kontrast und Reinigungsverhalten beeinflussen. Beides ist am Muster zu bewerten.

IEC 60073 stellt Codierungsgrundsätze für visuelle, akustische und taktile Anzeigen bereit. Für die Hardware folgt daraus eine robuste Umsetzung: Alarmzustände nicht ausschließlich über einen kleinen Farbwechsel vermitteln, sondern mit Text, Symbol, Position und bei Bedarf einer getrennten Leuchtanzeige oder einem Schallgeber ergänzen. Die konkrete Alarmphilosophie bleibt Aufgabe der Anlagen- und Softwareentwicklung.

Ein abgesetztes HMI braucht eine eigene Hardwarearchitektur

Bei Pumpwerken, Außenstationen und großen Wasserwerken trennt ein abgesetztes Bediengehäuse die lokale Bedienung vom Hauptschaltschrank. Dadurch verschiebt sich die Auslegung: Leitungslänge, Spannungsfall, Erdung, Schirmung, Steckverbinder, Gehäuseklima und Austauschbarkeit werden zu Frontpanel-Eingaben. Die Einordnung der Systemebenen steht in HMI-Hardwarearchitektur für die Industrieautomation.

Die Distanz ist schnittstellen- und gerätespezifisch. Endress+Hauser dokumentiert für das SOP300 ein optionales Bediengehäuse von 380 × 380 × 210 mm und maximal 100 m Abstand zum Schaltschrank. Dieser Wert gilt nur für das dokumentierte SOP300-System; er darf nicht auf HDMI, USB, Ethernet oder eine kundenspezifische Versorgung übertragen werden.

Die RFQ muss deshalb Porttyp, Protokollgrenze, Kabellänge, Kabelweg, Potentialausgleich, Versorgung am Panel und zulässige Steckstellen nennen. Auch der Fehlerzustand gehört in die Schnittstellenspezifikation: Was zeigt die Hardware bei Kommunikationsverlust, Unterspannung oder Displayausfall, und welche lokale Anzeige bleibt verfügbar? Die logische Reaktion wird außerhalb der Baugruppenfertigung programmiert.

Steckverbinder und Korrosionsschnittstellen entscheiden über die Feldzuverlässigkeit

Ein abgedichtetes Frontglas schützt keinen offenen Serviceport. Jede Buchse wird mit Gegenstecker, Verriegelung, Blindkappe, Kabelmantel, Zugentlastung und Montagezugang als Dichtsystem spezifiziert.

IEC 61076-2-101:2024 beschreibt M12-Schraubsteckverbinder und ihre Codierungen. Die Codierung reduziert Fehlpaarungen, ersetzt aber keine Auswahl nach Strom, Spannung, Datenrate und Umgebung. Eine Phoenix-Contact-Produktseite weist IP67 für eine konkrete M12-Ausführung nur im korrekt gesteckten und verriegelten Zustand aus. Genau dieser Zustand muss in Montageanweisung und Prüfung stehen. Unbenutzte Ports erhalten passende Kappen; Feldstecker benötigen die vorgegebene Kabelvorbereitung und Verriegelung.

Korrosion beginnt häufig an Übergängen: beschädigte Beschichtung am Ausschnitt, gemischte Metalle an Befestigern, Spalten unter Dichtungen oder dauerhaft benetzte Kabelverschraubungen. ISO 12944-2:2017 hilft, die Korrosivität der Umgebung für beschichtete Stahlkonstruktionen zu beschreiben. Die Norm ist keine Werkstofffreigabe für HMI-Folien, Glas, Klebstoffe oder Elastomere.

Auch „Edelstahl“ und „EPDM“ sind keine vollständigen Anforderungen. Das Parker O-Ring Handbook zeigt unterschiedliche Elastomerbewertungen für Chlorwasser, nasses Chlor und Chlordioxid. Die Auswahl braucht daher den exakten Stoff, die Konzentration, Temperatur, Kontaktzeit, mechanische Dichtbelastung und Reinigungsfolge. Gleiches gilt für die Decklage: Der Covestro Film Selector unterscheidet Standard-PC, UV-stabilisierte und funktional beschichtete Sorten.

Wartbare Feldinstallation reduziert Dichtungs- und Verdrahtungsfehler

Eine wartbare HMI-Einheit lässt sich austauschen, ohne die Schaltschranktür neu zu bearbeiten oder eine unkontrollierte Dichtfuge im Feld herzustellen. Dafür werden Frontausschnitt, Lochbild, Steckerzugang, Serviceweg und Ersatzteilgrenze bereits in der Zeichnung festgelegt.

Praktische Merkmale sind verpolsichere und codierte Anschlüsse, unverlierbare oder eindeutig zuordenbare Kappen, definierte Schraubfolge, zugängliche Verriegelungen und ein Kabel-Servicebogen außerhalb der Tropflinie. Die Dichtung darf beim Anziehen nicht wandern. Markierungen für Einbaulage und Anschlussidentität müssen auch bei schwacher Beleuchtung lesbar bleiben. Sind Klebeverbindungen nicht zerstörungsfrei lösbar, wird die kleinste austauschbare Einheit im Ersatzteilkonzept benannt.

Fehlerpfade gehören in die Montage-FMEA: falscher Ausschnitt, Grat unter der Dichtung, verschmutzte Klebefläche, unvollständig verriegelter M12-Stecker, vergessene Blindkappe, zu kurzer Kabelbogen, vertauschter Display- und Touchanschluss sowie Wiederverwendung einer nicht dafür freigegebenen Dichtung. Jede kritische Fehlmontage benötigt entweder konstruktive Verhinderung oder eine prüfbare Arbeitsanweisung.

Die Validierung muss am produktionsnah montierten HMI erfolgen

Die relevante Probe ist nicht das lose Display, sondern die HMI-Baugruppe im vorgesehenen Ausschnitt mit Serienmaterialien, Kabeln, Steckern, Dichtungen und Befestigung. Die HMI-Panel-Konstruktion: Checkliste mit 10 Freigabekriterien verbindet diese Einbausicht mit der Zeichnungsfreigabe.

Prüfblock Prüfling und Bedingung Geeignete Referenz Projektbezogenes Akzeptanzkriterium
Wasser-/Staubeintritt montierte Front oder vollständiges Gehäuse; alle Ports im spezifizierten Zustand IEC 60529 kein Eintritt an der vereinbarten Systemgrenze; volle Funktion nach Prüfung
Kondensation betriebsnaher Aufbau mit Temperatur- und Feuchtezyklen IEC 60068-2-30:2025 keine Fehlauslösung, Korrosion, Ablösung oder unzulässige optische Änderung
Hohe Feuchte ohne Kondensation Baugruppe bei konstanter Temperatur und festgelegter Dauer IEC 60068-2-78:2025 elektrische, optische und mechanische Grenzwerte bleiben eingehalten
Temperaturwechsel kompletter Stack mit Befestigung und Bonding IEC 60068-2-14:2023 keine Risse, Blasen, Dichtspalte oder dauerhafte Touchverschiebung
Medienkontakt / Reinigung Originalmedien in spezifizierter Konzentration, Temperatur, Kontakt- und Spülfolge projektspezifisches Verfahren keine unzulässige Quellung, Verfärbung, Beschriftungs- oder Haftungsänderung
Nass-/Handschuhbedienung Seriencontroller, finale Decklage, echte Handschuhe und Flüssigkeitszustände projektspezifisches Funktionsverfahren definierte Trefferquote, keine unzulässigen Fehlauslösungen, sichere Rückkehr nach Wischen
Optik und Alarm reale Beleuchtung, Blickwinkel, Distanz und verschmutzter Grenzzustand IEC 60073 als Codierungsrahmen alle priorisierten Zustände erkennbar; keine alleinige Abhängigkeit von Farbe
ESD, Burst, Surge Gehäuseport, Versorgung, Signal- und Außenleitungen gemäß Schnittstelle IEC 61000-4-2:2025, IEC 61000-4-4:2012, IEC 61000-4-5:2014+A1:2017 definierte Leistungs- und Wiederanlaufkriterien ohne bleibenden Schaden
Schwingung und Stoß Panel, Halterung, Tür und Kabel im repräsentativen Montagezustand IEC 60068-2-6:2007, IEC 60068-2-27:2008 keine Lockerung, Kontaktunterbrechung oder mechanische Degradation außerhalb der Spezifikation
Äußerer Schlag zugängliche Front, falls Werkzeug-, Vandalismus- oder Stoßrisiko besteht IEC 62262:2002+A1:2021 vereinbarter IK-Grad und anschließende Funktions-/Dichtprüfung

Die Normen liefern Verfahren und Phänomene, nicht automatisch die richtige Prüfschärfe. Pegel, Dauer, Zyklenzahl und Leistungskriterium werden aus Standort, Produktnorm, Risikoanalyse und Kundenspezifikation abgeleitet. Besonders wichtig ist die Trennung von IEC 60068-2-78 ohne Kondensation und IEC 60068-2-30 mit im Allgemeinen entstehender Kondensation.

Für die Projektplanung sollten Nachweisart, Prüfmusterstand, Vor- und Nachmessungen sowie zulässige kosmetische Änderungen vorab feststehen. JASPER ordnet solche Eingaben in die Prüf- und Validierungsplanung ein. Ein Prototyping und Musterfreigabe mit realem Handschuh, Display, Frontausschnitt und Medienwischtest reduziert das Risiko, dass eine formal passende Komponente im montierten System versagt.

Wann ist eine kundenspezifische Standard-HMI-Baugruppe nicht geeignet?

Eine gewöhnliche Frontplattenbaugruppe ist ungeeignet, wenn die Anwendung eine separat bewertete Schutzfunktion oder eine nicht abgedeckte Exposition verlangt.

Ausschlussfall Erforderliche Eskalation
Montage in potenziell explosionsfähiger Atmosphäre Zonen- und Gerätekategorie festlegen; Hardware gemäß Richtlinie 2014/34/EU bewerten
Dauerhaftes Untertauchen oder nicht definierter Wasserdruck vollständiges Unterwassergehäuse und projektspezifische Druck-/Dauerprüfung
Sicherheitsfunktion ausschließlich über Touch Sicherheitskonzept mit geeigneten, bewerteten Befehlsgeräten und Systemarchitektur
Unbekannte Chemikalie oder wechselnde Reinigungsrezeptur Medienanalyse und Materialprüfung vor Werkstofffreigabe
Keine Möglichkeit, Steckverbinder im Betrieb geschlossen zu halten Schnittstellen- oder Gehäusekonzept ändern
Alarm muss trotz dunklem oder ausgefallenem Display lokal sichtbar bleiben getrennte, entsprechend ausgelegte Anzeige- oder Befehlsgeräte vorsehen

Für den Ex-Fall gilt die Richtlinie 2014/34/EU für Geräte und Schutzsysteme zur bestimmungsgemäßen Verwendung in potenziell explosionsfähigen Atmosphären. Feuchtebeständigkeit oder ein hoher IP-Code ersetzen diese Bewertung nicht.

Projekt-Checkliste: Diese Angaben gehören in Zeichnung und RFQ

Eine belastbare Anfrage beschreibt die Schnittstellen und Belastungen so, dass Konstruktion, Kalkulation und Prüfplanung denselben Systemstand meinen.

Eingabe Benötigte Details
Display Hersteller/Modell oder aktive Fläche, Außenmaß, Auflösung, Schnittstelle, Blickwinkel, Helligkeitsregelung, Temperaturbereich
Frontplatte 2D-Zeichnung, Ausschnitt, Lochbild, Dicke, Ebenheit, Material, Beschichtung, Sicht- und Dichtflächen
Interface-Stack Deckscheibe/Overlay, Touchsensor, Klebstoff oder Luftspalt, Display, Träger, Dichtung, rückseitige Abdeckung
Bedienung Finger, Handschuhmaterial und -dicke, nass/trocken, passiver Stift, Zielgrößen, benötigte Harttasten und Feedback
Umgebung Innen/außen, Temperatur- und Feuchteprofil, Kondensation, Wasserstrahlrichtung, Staub, UV, mechanische Last
Medien Stoffname, Konzentration, Temperatur, Kontaktzeit, Häufigkeit, Reinigungs- und Spülfolge
Anzeige Betrachtungsdistanz und -winkel, Umgebungslicht, Alarmfarben/-symbole, getrennte LEDs oder Schallgeber
Elektrik Versorgung, Strombudget, Display-/Touchschnittstelle, Kabellänge, Schirmung, Erdung, EMV-Umgebung
Anschlüsse Steckertyp, Codierung, Einbaulage, Verriegelung, Blindkappen, Kabelmantel, Zugentlastung, Servicezugang
Wartung Austauschgrenze, Werkzeug, zulässige Dichtungswiederverwendung, Ersatzteilstrategie, Reinigungszustand bei Service
Nachweise Ziel-Schutzart und Systemgrenze, chemische Prüfung, Kondensation, Temperaturwechsel, Touch, Optik, EMV, Mechanik
Beschaffung Prototypenmenge, Freigabestufen, Jahresvolumen, Verpackungs- und Kennzeichnungsanforderungen

Vor der technischen Prüfung lassen sich Zeichnungen zur technischen Prüfung senden. Für eine erste Engineering-Bewertung sollten mindestens Displaygröße, Frontplattenzeichnung, Interface-Stack, Umgebungsprofil und Jahresvolumen vorliegen.

Häufige Fragen von Konstruktion und Einkauf

Welche Schutzart braucht ein HMI in einer Wasser- oder Abwasseranlage?

Bei HMI-Hardware für Wasser- und Abwasseranlagen ergibt sich die Schutzart aus Einbauort und Reinigungsfall. Ein Panel im trockenen Technikraum benötigt eine andere Systemgrenze als eine Außenstation mit Strahlwasser. Anzugeben sind Front- oder Vollgehäuseschutz, montierter Ausschnitt, Steckerzustand und Prüfbedingung. Der IP-Code allein belegt keine Chemikalienbeständigkeit.

Funktioniert PCAP-Touch mit nassen Handschuhen?

PCAP kann mit nassen Handschuhen funktionieren, wenn Controller, Sensor, Deckscheibe, Erdung und Firmware darauf abgestimmt sind. Die Freigabe muss das reale Handschuhmaterial, die Dicke, Tropfen und zusammenhängenden Wasserfilm enthalten. Datenblattwerte eines einzelnen Controllers lassen sich nicht auf jeden Touch-Stack übertragen.

Ist resistiver Touch für Kläranlagen grundsätzlich besser als PCAP?

Nein. Resistiver Touch bietet druckbasierte Bedienung mit vielen Handschuhen, hat aber eine mechanisch beanspruchte Deckschicht. PCAP ermöglicht eine geschlossene Glasfront, verlangt jedoch ein sorgfältiges Nass- und Handschuh-Tuning. Bedienaufgabe, Reinigungschemie, Zielgröße und gewünschtes Feedback entscheiden.

Reicht eine frontseitige IP66-Angabe für einen Schaltschrank?

Nur wenn die Belastung tatsächlich ausschließlich von vorn kommt und der spezifizierte Ausschnitt, die Dichtung und Befestigung Teil des Nachweises sind. Bei Rundumreinigung oder Außenaufstellung müssen Rückseite, Kabeldurchführungen, Druckausgleich, Blindstopfen und Serviceports in die Gehäuseprüfung einbezogen werden.

Wie werden Steckverbinder in nassen Bereichen spezifiziert?

Steckverbinder werden als vollständiger Zustand spezifiziert: Buchse, Gegenstecker, Verriegelung, Dichtung, Kabelmantel, Zugentlastung und Blindkappe. Die Montageanweisung nennt Werkzeug oder Drehmoment nach Herstellerangabe. Die Ziel-Schutzart gilt nur in dem Zustand, für den das konkrete Stecksystem geprüft wurde.

Welche Prüfungen sind bei Kondensation erforderlich?

Eine konstante Feuchteprüfung ohne Kondensation reicht für unbeheizte Außenstationen oft nicht als einziges Feuchteszenario. Der Prüfplan trennt IEC 60068-2-78 für hohe Feuchte ohne Kondensation von IEC 60068-2-30 für zyklische Feuchte mit Kondensation und ergänzt Temperaturwechsel, Funktionsprüfung und Sichtkontrolle.

Darf ein Standard-HMI in einem explosionsgefährdeten Bereich eingesetzt werden?

Nicht ohne passende Bewertung für den vorgesehenen Ex-Bereich. Zonenklassifizierung, Gerätegruppe und Gerätekategorie müssen vor der Hardwareauswahl feststehen. Richtlinie 2014/34/EU behandelt Geräte und Schutzsysteme für potenziell explosionsfähige Atmosphären; eine hohe IP-Schutzart ist kein Ersatz für diese Konformitätsanforderung.

Welche Unterlagen benötigt ein Hersteller für ein belastbares HMI-Angebot?

Benötigt werden mindestens Displaygröße oder -modell, Frontplattenzeichnung, Interface-Stack, Touch- und Handschuhanforderung, Umgebungs- und Medienprofil, elektrische Schnittstellen, Steckerkonzept, Zielprüfungen, Serviceablauf, Prototypenmenge und Jahresvolumen. Fehlende Konzentrationen, Temperaturprofile oder Einbaugrenzen verhindern eine belastbare Material- und Prüfplanung.

Technische Projektübergabe

JASPER fertigt kundenspezifische Frontplatten- und HMI-Hardwarebaugruppen; die Auswahl der SPS, SCADA-Projektierung und Anlagenprogrammierung bleibt beim OEM beziehungsweise Systemintegrator. Mit vollständigen Eingaben kann die Baugruppengrenze für Display, Touch, Overlay, Schaltung, Dichtung, Anschlüsse und Einbau gemeinsam geprüft werden. Für das konkrete Projekt lässt sich anschließend ein technisches Angebot anfragen.

Referenzen

  1. IEC: IEC 60529:1989+A1:1999+A2:2013 — Degrees of protection provided by enclosures (IP Code), Edition 2.2, 2013.
  2. IEC: IEC 60073:2002 — Coding principles for indicators and actuators, 2002.
  3. IEC: IEC 61076-2-101:2024 — M12 connectors with screw-locking, 2024.
  4. IEC: IEC 60068-2-78:2025 — Damp heat, steady state, 2025.
  5. IEC: IEC 60068-2-30:2025 — Damp heat, cyclic, 2025.
  6. IEC: IEC 60068-2-14:2023 — Change of temperature, 2023.
  7. IEC: IEC 60068-2-6:2007 — Vibration, sinusoidal, 2007.
  8. IEC: IEC 60068-2-27:2008 — Shock, 2008.
  9. IEC: IEC 61000-4-2:2025 — Electrostatic discharge immunity, 2025.
  10. IEC: IEC 61000-4-4:2012 — Electrical fast transient/burst immunity, 2012.
  11. IEC: IEC 61000-4-5:2014 — Surge immunity, 2014, Amendment 1:2017.
  12. IEC: IEC 62262:2002+A1:2021 — IK code, 2021.
  13. ISO: ISO 12944-2:2017 — Classification of environments, 2017.
  14. Europäische Union: Richtlinie 2014/34/EU über Geräte und Schutzsysteme in explosionsfähigen Atmosphären, konsolidierter Stand 30.05.2026.
  15. Microchip: mXT2952T2 Touchscreen Controller, Datenblatt Rev. 1.1, 2018.
  16. Parker Hannifin: O-Ring Handbook ORD 5700, online abgerufen 2026.
  17. Covestro: Makrofol/Bayfol Film Selector Guide, online abgerufen 2026.
  18. 3M: Printable Liquid Optically Clear Adhesive 1088, Technical Data, 2013.
  19. Phoenix Contact: SACC-BP-M-M12-THR PP, Produktseite, abgerufen 2026.
  20. Siemens: Typische Konfigurationen in der Wasserindustrie, V4.0, 06/2023.
  21. Endress+Hauser: Überfüllsicherungssystem SOP300, KA01345SDE_0117, 2017.
Technische Prüfung

Zeichnung, Schichtaufbau und Einsatzbedingungen bereitstellen

Das JASPER Engineering prüft Schnittstellen, offene Risiken und die Nachweise für ein belastbares Angebot.

Technische Prüfung fortsetzen

HMI-BaugruppePrüf- und ValidierungsplanungPrototyping und Musterfreigabe