Kurzantwort: Eine belastbare SPS/HMI-Integration trennt sechs Ebenen: Prozessdaten, Anwendungsprotokoll, physikalische Übertragung, Stromversorgung und Bezugspotential, interne Display-/Touch-Anbindung sowie mechanische Bedienfront. Für OEMs reicht es deshalb nicht, „PROFINET“ oder „Modbus“ in die Stückliste zu schreiben. Vor der Hardwarefreigabe müssen SPS-Familie, Treiber, Datenrichtung, Aktualisierungs- und Fehlerverhalten, Steckerbelegung, Schirmung, Isolation, Displaytiming, Touchinterface, Dichtung und Einbautoleranzen feststehen. Der SPS-Programmierer verantwortet Logik und Variablen; der HMI-Hardwareintegrator verantwortet die herstellbare Baugruppe und ihre dokumentierten Übergabepunkte. Bei kundenspezifischen HMI-Baugruppen wird genau diese Grenze zum zentralen Pflichtenheft.

Stand: 24. August 2026
Schnellentscheidung: Welche Ebene muss zuerst festgelegt werden?
| Wenn die offene Frage lautet … | Zuerst festlegen | Typischer Nachweis | Nicht ausreichend |
|---|---|---|---|
| „Kann das HMI mit dieser SPS sprechen?“ | SPS-Modell, HMI-Treiber, Protokollrolle und freigegebene Funktionen | Kompatibilitätsliste, Gerätehandbuch, Verbindungstest | Nur der Name „Ethernet“ |
| „Bleibt die Verbindung im Schaltschrank stabil?“ | Physical Layer, Topologie, Kabel, Stecker, Schirm, Terminierung, Potentialbezug | Verdrahtungsplan, End-to-End-Test, EMV-Prüfplan | Nur der Name „Modbus“ |
| „Passt das Display zur Rechenelektronik?“ | Displayinterface, Pinout, Timing, Versorgung und Backlight | Displaydatenblatt, Interface-Matrix, Musteraufbau | Nur Diagonale und Auflösung |
| „Funktioniert der Touch mit Handschuhen oder Feuchte?“ | Sensortechnik, Cover, Controller, Tuning und Störumgebung | definierte Bedien- und Flüssigkeitsprüfung | Nur „PCAP“ oder „IP65“ |
| „Ist die Front nach dem Einbau dicht?“ | Ausschnitt, Dichtung, Rauheit, Ebenheit, Klebefläche und Montagekraft | Baugruppenzeichnung und Prüfung im Zielgehäuse | Schutzart des losen Displays |
| „Wer behebt einen Fehler bei der Inbetriebnahme?“ | Eigentümer und Abnahmekriterium je Schicht | Schnittstellenvertrag, Änderungsstand, Testprotokoll | Ein gemeinsames Feld „Lieferant“ |
Die SPS/HMI-Grenze besteht aus sechs separat freizugebenden Ebenen
Ein HMI-Panel ist nicht bloß ein Bildschirm an einer SPS. Es ist eine Kette aus Bedienfront, Sensorik, Anzeige, Rechenelektronik und Feldkommunikation. Der Grundlagenbeitrag Was ist ein HMI-Panel? Hardwareaufbau beschreibt die Bauteile; für die Integration kommt eine zweite Frage hinzu: An welcher Stelle endet die Verantwortung einer Disziplin und beginnt die nächste?
Bediener / Reinigungsmedium / Umgebung
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Grafikoverlay oder Deckglas ─ Dichtung ─ Gehäuseausschnitt
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Touchsensor ─ Touchcontroller ─ USB HID / I²C / SPI
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TFT-Display ─ LVDS / eDP / RGB ─ Backlightversorgung
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HMI-Rechner oder Panel-Elektronik
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PROFINET / Modbus TCP / OPC UA / herstellerspezifischer Treiber
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Ethernet oder serieller Physical Layer ─ Stecker ─ Schirm ─ Potential
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SPS ─ Prozessabbild ─ Maschinenlogik ─ sichere Steuerungsfunktionen
Die Ebenen sind gekoppelt, aber nicht austauschbar. Ein passender SPS-Treiber löst kein Problem mit einer falsch terminierten seriellen Leitung. Eine bestandene Netzwerkverbindung beweist weder korrektes Displaytiming noch Dichtheit der Bedienfront. Umgekehrt kann eine mechanisch perfekte Frontplatte Kommunikationsfehler nicht kompensieren.
IEC 61131-2:2017 erfasst funktionale und EMV-Anforderungen sowie zugehörige Prüfungen für industrielle Steuerungsgeräte und Peripherie. IEC 60204-1:2016+A1:2021 betrachtet die elektrische Ausrüstung einer Maschine ab deren Einspeisepunkt. Beide Quellen stützen eine systemische Betrachtung, liefern aber keine projektspezifische Pinbelegung. Diese bleibt Aufgabe des OEM und seiner Lieferanten (IEC 61131-2, IEC 60204-1).
Für die Konstruktion lohnt ein schichtweises Dokument. Eine HMI-Hardwarearchitektur für die Industrieautomation ergänzt die SPS-Verbindung um Display-, Touch-, Versorgungs- und Gehäuseentscheidungen. Der Nutzen liegt nicht im Zeichnen eines hübschen Blockschaubilds, sondern in prüfbaren Übergaben: Signalname, Richtung, elektrischer Pegel, Stecker/Pin, erlaubter Zustand beim Start, Verhalten bei Unterbrechung und verantwortlicher Eigentümer.
SPS und HMI integrieren heißt, Signal, Transport und Verhalten getrennt zu spezifizieren
Ein Protokollname beschreibt nie die gesamte Verbindung. Modbus ist laut Modbus Organization ein Nachrichtenprotokoll der Anwendungsschicht. Erst der Zusatz TCP oder der definierte serielle Aufbau legt den Transportpfad fest. RS-485 wiederum beschreibt die physikalische Schicht; es sagt nichts darüber aus, welche Register ein HMI lesen darf. Diese Trennung verhindert einen häufigen Beschaffungsfehler: Zwei Geräte können jeweils „Modbus“ unterstützen und trotzdem unterschiedliche Rollen, Datentypen oder physikalische Ports erwarten (Modbus Application Protocol V1.1b3).
| Verbindung | Was tatsächlich festgelegt werden muss | Gute Einsatzbedingung | Kritischer Prüfpunkt |
|---|---|---|---|
| PROFINET | SPS- und HMI-Unterstützung, Geräte-/Netzwerkrolle, Topologie, zertifizierte passive Komponenten und Diagnoseweg | Bestehende PROFINET-Maschinenarchitektur mit freigegebenen Geräten | End-to-End-Link, Schirm-/Steckerkonzept, Gerätename/IP und Diagnose |
| Modbus TCP | Client/Server-Rolle, IP-Pfad, Unit-ID falls relevant, Register, Function Codes, Datentypen, Byte-/Wortreihenfolge und Schreibrechte | Überschaubare, dokumentierte Datenpunkte über Ethernet | Registervertrag und Verhalten bei Timeout/Neuverbinden |
| Modbus RTU über RS-485 | Zusätzlich Baudrate, Parität, Stationsadresse, 2-/4-Draht, Terminierung, Biasing, Stub-Längen und Potentialbezug | Legacy- oder Mehrpunktverbindung mit beherrschbarer Datenmenge | Oszilloskop-/Busdiagnose am realen Leitungsaufbau |
| OPC UA | Client/Server- oder PubSub-Rolle, Namespace, Informationsmodell, Zertifikate, Benutzerrechte und Update-/Abonnementverhalten | Semantischer Datenaustausch und Systemintegration über reine Register hinaus | Vertrauenslisten, Zeitbasis, Rechte und getestete Last |
| Herstellerspezifischer HMI-Treiber | Exakte SPS-Baureihe, Firmware, freigegebener Treiber, Zugriffsmechanismus und Migrationsweg | Homogene Plattform mit klarer Herstellerfreigabe | Versionskompatibilität und Verhalten nach Geräteersatz |
| Diskrete Signale | Elektrischer Eingang/Ausgang, Pegel, gemeinsame Masse oder Trennung, Diagnose und sichere/nicht sichere Funktion | Wenige, eindeutig definierte Zustände oder unabhängige Rückmeldung | Kurzschluss-, Drahtbruch- und Spannungszustände |
PI beschreibt die passive PROFINET-Infrastruktur ausdrücklich als System aus Leitungen, Steckverbindern, Cordsets, Bulkheads und End-to-End-Prüfung. „RJ45 vorhanden“ ist daher keine vollständige PROFINET-Spezifikation (PI, PROFINET Cabling and Interconnection Technology V5.3). Bei OPC UA kommen Informationsmodell und Sicherheitsparameter hinzu; die OPC Foundation weist darauf hin, dass die erforderliche Sicherheitsauswahl von der konkreten Installation bestimmt wird (OPC UA Part 1).
Die detaillierte Einordnung der industriellen HMI-Kommunikationsprotokolle und Hardware-Schnittstellen gehört deshalb neben, nicht in die Displayzeichnung. Für die Baugruppenfreigabe genügt eine kompakte Interface Control Specification: Datenobjekt, Quelle, Senke, Schreibrecht, gültiger Bereich, Aktualisierungsanforderung, Timeout, Ersatzwert, Alarmreaktion und Versionsstand. Die SPS-/SCADA-Programmierung bleibt beim Automatisierungsteam; die Hardwareseite muss aber wissen, welche Ports, LEDs, Servicezugänge und galvanischen Grenzen physisch bereitzustellen sind.
Versorgung, Masse, Isolation und EMV werden als gemeinsames Anschlusskonzept ausgelegt
Stabile SPS/HMI-Kommunikation beginnt mit einem definierten Stromrückweg. Der Schaltplan muss zeigen, wo HMI-Elektronik, Touchcontroller, Display, Backlight, SPS und Schirm an Versorgung, Funktionserde und Gehäuse angebunden sind. Fehlt diese Darstellung, entstehen Fehlerbilder, die wie Softwareprobleme aussehen: sporadische Touchereignisse, Link-Abbrüche beim Schalten von Lasten, Bildstörungen oder serielle Telegrammfehler.
Bei RS-485 wird die Terminierung an die Leitungsimpedanz angepasst und an den Leitungsenden angeordnet. Stubs erhöhen die kapazitive Belastung und können Reflexionen erzeugen. Eine galvanische Trennung kann Potentialdifferenzen und Masseschleifen zwischen verbundenen Systemen entkoppeln; sie ist jedoch kein Etikett, sondern eine auszulegende Barriere mit Arbeits- und Prüfspannung, Kriech-/Luftstrecken, isolierter Versorgung und passendem Transientenschutz. Analog Devices erläutert diesen Zusammenhang in AN-727 und betont zugleich, dass Datenrate, Leitungslänge und Netzaufbau gemeinsam bewertet werden müssen (Analog Devices AN-727).
Für Ethernet/PROFINET gelten andere Bausteine, dieselbe Disziplin aber bleibt: Kabelkategorie und Bewegungsart, Schirmanschluss, Steckermechanik, Gehäusedurchführung, Biegeradius, Zugentlastung und Serviceweg gehören in die Zeichnung. Der Schirm darf nicht stillschweigend über eine lackierte Fläche oder einen undefinierten Pigtail geführt werden. Wo und wie er an das Gehäuse gekoppelt wird, muss zum EMV-Konzept des Maschinenbauers passen.
Die Richtlinie 2014/30/EU verlangt für betroffene Geräte ausreichende Störfestigkeit und begrenzte Störaussendung; die Bewertung muss die repräsentativen vorgesehenen Konfigurationen erfassen. IEC 61000-6-2:2016 und IEC 61000-6-4:2018 sind generische Industrieumgebungsnormen, wenn keine einschlägige Produkt- oder Produktfamiliennorm greift. Daraus folgt keine automatische Prüfliste für jedes HMI. Zuerst sind Produktkategorie, Umgebung, Ports, Leitungen und Betriebszustände zu bestimmen; danach werden relevante Prüfungen und Leistungskriterien festgelegt (EU-EMV-Richtlinie 2014/30/EU, IEC 61000-6-2, IEC 61000-6-4).
Display, Touch, Overlay und Gehäuse bilden eine eigene Hardwarekette
Zwischen dem Feldnetz und der sichtbaren Bedienfläche liegt eine zweite Schnittstellenwelt. Industrielle TFT-LCD-Module verwenden je nach Bauteil beispielsweise LVDS oder paralleles RGB; eDP verbindet eine Grafikquelle elektrisch mit einem eingebetteten Display. Auflösung allein garantiert deshalb keine Austauschbarkeit. Pinbelegung, Lane-/Farbtiefe, Pixeltakt und Timing, Logikversorgung, Backlightspannung, Enable-/PWM-Signale, Steckverbinderposition und Temperaturfreigabe müssen zum gewählten HMI-Rechner passen (Texas Instruments SSZT738, VESA eDP 1.5).
Beim Touch ist dieselbe Genauigkeit nötig. USB HID kann einen Touchscreen als Digitizer mit Koordinaten und Kontaktmerkmalen beschreiben; andere Controller binden sich per I²C oder SPI an. „USB-Touch“ beantwortet jedoch noch nicht, welcher Steckverbinder, welche Kabellänge im Gerät, welche Versorgung, welcher Treiber und welches Startverhalten vorgesehen sind (USB-IF HID Usage Tables 1.3).
| Frontend-Variante | Hardwarefolge | Stärken | Zu validierende Grenze |
|---|---|---|---|
| PCAP unter Deckglas | Cover, optischer Kleber/Luftspalt, Sensorglas/-film, Controller, Hostinterface | Planare Front, Mehrfinger- und Gestenoptionen | Handschuhe, Tropfen/Film, Randbereiche, Massebezug, Display-/Backlight-Störung |
| Resistiver Touch | Flexible Widerstandsschichten, 4-/5-Draht-Anschluss, Touchcontroller, I²C/SPI | Druckbasierte Punktbedienung, einfacher Datenpfad | Betätigung durch vorgesehenes Werkzeug, Oberflächenverschleiß, Kalibrierung, Displayrauschen |
| Membrantasten plus Display | Grafikfolie, Distanz-/Schaltlagen, Leiterbild, Tasten-/LED-Anschluss, separates Display | Definierte Tastenpositionen und taktile Optionen | Betätigungskraft, Dome-/Leiterbildtoleranz, Abdichtung, Lichtführung |
| Mechanische Tasten/Not-Halt plus Touchdisplay | Separate elektromechanische Bedienteile und Touchoberfläche | Klare Trennung häufiger oder sicherheitsbezogener Bedienhandlungen | Einbauraum, Verdrahtung, Schutzart und ergonomische Zuordnung |
Kapazitiver Touch muss im vorgesehenen Stack abgestimmt werden. Infineon dokumentiert, dass Flüssigkeitsfilm und Tropfen kapazitive Sensoren fehlauslösen können und dass Shield-/Guard-Strukturen, Firmware und Tuning die Flüssigkeitstoleranz beeinflussen. Microchip führt Wasser-, Handschuh- und Störfestigkeit ebenfalls als controller- und designspezifische Eigenschaften. Solche Merkmale werden daher nicht aus dem Wort „PCAP“ abgeleitet, sondern mit finalem Cover, Display, Backlight, Gehäusemasse und Reinigungsszenario geprüft (Infineon AN85951, Microchip maXTouch).
Die Abdichtung ist eine Eigenschaft des montierten Systems. IEC 60529 klassifiziert Schutzgrade von Gehäusen; eine frontseitige Angabe eines Einzelgeräts darf nur unter den dafür definierten Einbaubedingungen übernommen werden (IEC 60529). Für die Zeichnung bedeutet das: Dichtlinie, Kompressionsweg, Klebefläche, Oberflächenrauheit, Ebenheit, Eckradien, Ausschnitttoleranz, Befestigungsfolge und Kabeldurchtritt müssen sichtbar sein. Die HMI-Panel-Konstruktion: Checkliste mit 10 Freigabekriterien hilft, diese Punkte vor dem Werkzeug- oder Musterstart zu schließen.
Ownership verhindert, dass Schnittstellenfehler zwischen Lieferanten verschwinden
Die wirksamste Integrationsunterlage ist eine Ownership-Matrix mit genau einem Freigabeverantwortlichen je Zeile. „Gemeinsam“ eignet sich für Reviews, nicht als Endverantwortung. Der OEM hält die Systemanforderung und entscheidet bei Konflikten; Fachlieferanten liefern Nachweise für ihren Abschnitt.
| Übergabeobjekt | Verantwortlicher für Spezifikation | Verantwortlicher für Nachweis | Freigabedokument |
|---|---|---|---|
| SPS-Tags, Datentypen, Schreibrechte, Timeoutreaktion | Automatisierung / Software | SPS-/HMI-Programmierer | Variablen- und Alarmvertrag |
| Protokollrolle und freigegebener Treiber | Systemarchitekt / Automatisierung | Geräteintegrator | Kompatibilitätsmatrix, Verbindungstest |
| Kabel, Stecker, Pinout, Schirm, Isolation | Elektrokonstruktion | Hardwarelieferant / Prüflabor nach Umfang | Stromlaufplan, Kabelzeichnung, Testbericht |
| Display, Backlight und Touchinterface | HMI-/Embedded-Hardware | Display-/Touch-/Baugruppenlieferant | Interface-Matrix, Datenblätter, Musterprotokoll |
| Overlay, Dichtung, Ausschnitt und Befestigung | Mechanikkonstruktion / Industrial Design | HMI-Baugruppenlieferant und OEM im Zielgehäuse | freigegebene 2D-Zeichnung, Grenzmuster |
| System-EMV, Maschinensicherheit und Gesamtfreigabe | OEM/Systemverantwortlicher | OEM bzw. beauftragtes Labor | Risikobeurteilung, Prüfplan, Konformitätsakte |
Jede Änderung erhält einen Stand: SPS-Firmware, HMI-Runtime, Displayrevision, Touchkonfiguration, Leiterbild, Kabelsatz und Gehäusezeichnung. Sonst wird ein bestandener Prototyp mit einer unbemerkten Serienkombination verglichen. Die Zeichnung sollte außerdem Prüfmerkmale statt bloßer Nennmaße enthalten: Sichtfensterlage, aktive Displayfläche, Touchursprung, Steckerlage, Pin 1, Dichtkontur und zulässige kosmetische Zone.
Inbetriebnahme und Validierung prüfen jede Schicht einzeln und anschließend im System
Eine gute Inbetriebnahme beginnt nicht mit hektischem Treibertausch. Sie lokalisiert den Fehler von unten nach oben: Versorgung und Reset, physikalischer Link, Adressierung, Sitzung/Verbindung, Datenmodell, HMI-Visualisierung. Anschließend werden Umgebungs- und Fehlerszenarien ergänzt. Siemens nennt in einem WinCC-Unified-Anwendungsbeispiel unter anderem Netzwerkpfad, IP-Einstellungen, PG/PC-Schnittstelle und Uhrzeitsynchronität als konkrete Prüfpunkte; die Liste ist produktspezifisch, zeigt aber die notwendige Schichtentrennung (Siemens Anwendungsbeispiel 109988590, 06/2025).
| Testblock | Repräsentativer Aufbau | Beobachtung / Messgröße | Abnahmekriterium vor Start festlegen | Fehlerlokalisierung |
|---|---|---|---|---|
| Power-up / Brownout / Reset | Seriennetzteil, reale Leitung, SPS und HMI gemeinsam | Startreihenfolge, Bild, Touch, Verbindung, Wiederanlauf | erlaubte Startzeit und sicherer Anzeige-/Bedienzustand | Versorgung → Reset → Runtime → Netzwerk |
| Kommunikationsunterbrechung | Kabel ziehen, Switch/Bussegment unterbrechen, Gegenstelle neu starten | Timeout, Bedienfreigabe, Ersatzwert, Alarm, Reconnect | keine verdeckte Altwertbedienung; definierte Wiederkehr | Physical Layer → Sitzung → Datenvertrag |
| EMV-nahe Funktionsprüfung | finales Gehäuse, Kabel, Schirm und typische geschaltete Lasten | Linkfehler, Touchfehler, Bildstörung, Reset, Datenfehler | Leistungskriterium je Phänomen und Port | Masse/Schirm → Schutz → Leitung → Firmware |
| Touch unter Nutzung | finales Cover, Handschuhe, Feuchte/Reiniger, Randbedienung | verpasste/ungewollte Berührung, Mehrfachkontakt, Drift | Szenarien und zulässige Fehlerquote projektspezifisch | Cover → Sensor → Tuning → Hosttreiber |
| Dichtheit / Reinigung | Zielausschnitt, Dichtung, Befestiger, Serienoberfläche | Eintritt, Dichtungsversatz, Ablösung, optische Beeinträchtigung | geforderter IP-/Reinigungsnachweis für den montierten Aufbau | Gehäuse → Dichtung → Klebung → Kabeldurchtritt |
| Temperatur / Dauerbetrieb | thermisch repräsentatives geschlossenes Gehäuse | Hotspots, Backlight, Touchdrift, Bild und Verbindung | Bauteilgrenzen plus Systemmarge | Verlustleistung → Wärmeweg → Derating |
Der Prüfplan gehört in die Designphase, nicht ans Ende des Serienanlaufs. Eine formale Prüf- und Validierungsplanung ordnet Anforderungen, Musterstand, Verfahren, Messmittel und Akzeptanzkriterien zu. Prototyping und Musterfreigabe sollten mindestens den elektrischen Stack, die reale Frontmechanik und den vorgesehenen Kabelsatz abbilden. Ein Tischaufbau ohne Zielgehäuse kann Kommunikation beweisen; Dichtung, EMV und thermisches Verhalten belegt er nicht.
Eine integrierte HMI-Lösung ist nicht für jede Funktion die richtige Wahl
Eine Touchoberfläche ersetzt keine unabhängige sicherheitsbezogene Bedienfunktion. ISO 13850:2015 beschreibt die Not-Halt-Funktion; die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG verlangt, dass sie verfügbar bleibt und andere Schutzmaßnahmen nur ergänzt. Ein normaler HMI-Button ohne dafür ausgelegte und validierte Sicherheitskette ist daher kein Not-Halt (ISO 13850, Richtlinie 2006/42/EG).
Auch an anderer Stelle ist weniger Integration manchmal besser. Für wenige feste Zustände können separate Leuchtmelder oder Tasten leichter diagnostizierbar sein. Bei sehr langer Produktlebensdauer kann ein modular austauschbares Standardpanel sinnvoller sein als ein fest verklebter Displaystack. In stark wechselnden Steuerungsplattformen reduziert eine sauber definierte Gateway- oder OPC-UA-Grenze die Abhängigkeit von proprietären HMI-Treibern. Die Entscheidung richtet sich nach Servicekonzept, Änderungsrisiko, Bedienaufgabe und Validierungsaufwand – nicht nach der maximalen Zahl möglicher Funktionen.
Häufige Fragen zur SPS/HMI-Integration
Was ist der wichtigste Unterschied zwischen SPS und HMI?
Die SPS führt die Maschinen- oder Prozesslogik aus und verarbeitet Ein- und Ausgänge; das HMI zeigt Zustände an und nimmt Bedienbefehle entgegen. Für die Integration braucht es einen Datenvertrag zwischen beiden. Display, Touch, Overlay und Gehäuse gehören zur HMI-Hardware, während sichere Steuerungsfunktionen und Prozesslogik separat ausgelegt und validiert werden.
Welche Schnittstelle ist zwischen HMI und SPS am besten?
Es gibt keine universell beste Schnittstelle. PROFINET passt zu einer freigegebenen PROFINET-Architektur, Modbus TCP zu einem klaren Registervertrag, Modbus RTU zu beherrschbaren seriellen oder Legacy-Verbindungen und OPC UA zu semantischem Datenaustausch. Entscheidend sind Geräteunterstützung, Topologie, Datenmodell, Diagnose, Sicherheitsanforderung und das definierte Fehlerverhalten.
Ist Ethernet automatisch PROFINET oder Modbus TCP?
Nein. Ethernet bezeichnet den Netzwerkzugang beziehungsweise Teile des Physical/Data-Link-Layers; PROFINET und Modbus TCP definieren darüber eigene Kommunikationsmechanismen. Ein vorhandener RJ45-Port beweist weder den passenden HMI-Treiber noch eine freigegebene PROFINET-Implementierung. Gerätehandbuch, Firmwarestand, Protokollrolle und ein Verbindungstest müssen zusammenpassen.
Wann braucht eine RS-485-Verbindung galvanische Trennung?
Galvanische Trennung ist zu prüfen, wenn Geräte unterschiedliche Bezugspotentiale haben, Masseschleifen oder Transienten zu erwarten sind oder die Leitung Zonen verbindet. Die Entscheidung umfasst Isolator, isolierte Versorgung, Arbeits-/Prüfspannung, Kriech- und Luftstrecken sowie Schutzbeschaltung. Terminierung und Biasing bleiben zusätzlich erforderlich; Isolation repariert keine falsche Bustopologie.
Kann ein HMI-Touchscreen einen Not-Halt ersetzen?
Ein gewöhnlicher Touchbutton kann einen Not-Halt nicht ersetzen. Not-Halt ist eine sicherheitsbezogene Funktion mit eigenen Gestaltungs- und Validierungsanforderungen nach der Risikobeurteilung. Die visuelle HMI-Funktion darf ergänzen, quittieren oder diagnostizieren, sofern das Sicherheitskonzept dies erlaubt; die eigentliche Not-Halt-Kette muss unabhängig geeignet und jederzeit verfügbar sein.
Gehört die Display-Schnittstelle zur SPS/HMI-Kommunikation?
Sie gehört zur Gesamtintegration, aber nicht zum Feldprotokoll zwischen SPS und HMI. PROFINET, Modbus oder OPC UA verbinden die HMI-Recheneinheit mit der Steuerung. LVDS, eDP oder RGB transportieren Bilddaten intern zum TFT; USB HID, I²C oder SPI können den Touchcontroller anbinden. Beide Pfade brauchen getrennte Pinout- und Timingfreigaben.
Reicht die frontseitige IP-Schutzart eines Panels für die Maschinenfreigabe?
Nein. Eine frontseitige Schutzangabe gilt nur für die vom Hersteller definierten Einbaubedingungen. Der reale Schutz hängt zusätzlich von Ausschnitt, Dichtung, Oberfläche, Befestigung, Kabeldurchtritt und Montage ab. Die relevante Prüfung erfolgt deshalb am repräsentativen, montierten Aufbau mit der geforderten Reinigungs- oder Umgebungsbeanspruchung.
Welche Unterlagen braucht ein HMI-Hardwarelieferant für ein belastbares Angebot?
Er benötigt mindestens Displaygröße und aktiven Sichtbereich, Front- und Gehäusezeichnung, Display-/Touch-/Controller-Stack, SPS-Modell und Kommunikationsweg, Stromversorgung, Stecker/Pinout, Umgebung, Dichtungs- und Reinigungsanforderung, Prüfanforderungen, erwartete Jahresmenge und geplante Musterstufen. Offene Punkte sollten als Annahmen mit Eigentümer und Termin sichtbar bleiben.
Projektinput-Checkliste für Zeichnung, Muster und RFQ
Vor der technischen Anfrage sollten folgende Angaben konsistent vorliegen:
- Displayhersteller/-modell oder verbindliche Zielwerte für Diagonale, aktive Fläche, Auflösung, Helligkeit, Blickwinkel und Temperaturbereich;
- Frontansicht, Einbauausschnitt, Gehäusequerschnitt, Befestiger, Toleranzen, Dichtlinie und zulässige Bauhöhe;
- Touchtechnologie, Covermaterial/-dicke, Handschuh-, Feuchte-, Reinigungs- und Fehlbedienungsszenarien;
- HMI-Rechner/Controller, internes Display- und Touchinterface, Backlightansteuerung sowie alle Steckverbinder und Pinouts;
- SPS-Hersteller, Baureihe, Firmware, Port, Protokollrolle, Treiber und Daten-/Alarmvertrag;
- Versorgung, Einschaltfolge, Leistungsbudget, Erdungs-, Schirm-, Isolations- und Schutzkonzept;
- Kabeltypen, Längen im Zielaufbau, Bewegungsanforderung, Zugentlastung und Servicezugang;
- Umgebungs-, EMV-, Dichtheits-, Temperatur-, Schock-/Vibrations- und Lebensdaueranforderungen mit Prüfbedingungen;
- Musterstufen, Abnahmekriterien, Änderungsstand, Jahresvolumen und Zieltermin.
OEMs können Zeichnungen zur technischen Prüfung senden. Für eine erste Engineering-Bewertung sollten Displaygröße, Frontpanelzeichnung, Interface-Stack, Einsatzumgebung und Jahresvolumen gemeinsam übergeben werden. Wenn diese Daten belastbar sind, lässt sich anschließend ein technisches Angebot anfragen, ohne offene Systemannahmen in Preis oder Werkzeugfreigabe zu verstecken.
Quellen
- International Electrotechnical Commission: IEC 61131-2:2017 – Programmable controllers, equipment requirements and tests.
- International Electrotechnical Commission: IEC 60204-1:2016+A1:2021 – Electrical equipment of machines.
- International Electrotechnical Commission: IEC 60529 – Degrees of protection provided by enclosures.
- International Electrotechnical Commission: IEC 61000-6-2:2016 und IEC 61000-6-4:2018.
- Europäische Union: Richtlinie 2014/30/EU über die elektromagnetische Verträglichkeit.
- PROFIBUS & PROFINET International: PROFINET Cabling and Interconnection Technology, Version 5.3, Mai 2023.
- Modbus Organization: MODBUS Application Protocol Specification V1.1b3.
- OPC Foundation: OPC UA Part 1: Overview and Concepts.
- Analog Devices: AN-727 – iCoupler Isolation in RS-485 Applications.
- Texas Instruments: SSZT738 – Industrial HMI display interfaces und SLAA560 – Resistive Touch Controller PCB Layout.
- VESA: Embedded DisplayPort Standard Version 1.5.
- USB Implementers Forum: HID Usage Tables 1.3.
- Infineon Technologies: AN85951 – PSoC 4 and PSoC 6 MCU CAPSENSE Design Guide.
- Microchip Technology: maXTouch Touchscreen Controllers.
- ISO: ISO 13850:2015 – Emergency stop function; Europäische Union: Richtlinie 2006/42/EG.
Offenlegung: Dieser technische Leitfaden wurde für JASPER erstellt. Die technischen Auswahl- und Prüfregeln gelten unabhängig vom Hersteller; die JASPER-Links im Projektübergabeabschnitt dienen der optionalen Anfrage einer HMI-Hardwareprüfung und stellen keine Bewertung anderer Anbieter dar.
Zeichnung, Schichtaufbau und Einsatzbedingungen bereitstellen
Das JASPER Engineering prüft Schnittstellen, offene Risiken und die Nachweise für ein belastbares Angebot.