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HMI-BaugruppenTechnischer Leitfaden

HMI Optical Bonding: Luftspalt, Randverklebung oder Vollverklebung?

JASPER EngineeringAktualisiert 4. August 202619 Min. Lesezeit

HMI Optical Bonding richtig auslegen: Luftspalt, Randverklebung, OCA und LOCA nach Optik, Mura-Risiko, Service und Validierung vergleichen.

Finished illuminated HMI cover panel with a defined viewing zone and touch icons

HMI Optical Bonding ist dann die stärkere Konstruktion, wenn innere Reflexionen, Parallaxe oder Verunreinigungen im Sichtspalt eine definierte Einsatzanforderung verhindern. Ein kontrollierter Luftspalt oder eine Randverklebung ist meist sinnvoller, wenn Displaytausch, mechanische Entkopplung, geringere Prozesskomplexität oder Lieferflexibilität Vorrang haben. Dieser Leitfaden vergleicht beide Wege für Deckglas, Touchsensor, Display, Gehäuse und Service.

Technische Quellenprüfung: 27. Juli 2026; deutsche Lokalisierungsprüfung: 30. Juli 2026

1. HMI Optical Bonding oder Luftspalt: die Kurzentscheidung

Keine Bauweise gewinnt in jedem HMI-Projekt. Zuerst ist zu klären, ob sich im Sichtbereich Luft befindet. Danach folgt die Frage, ob dieser Hohlraum bewusst ausgelegt, nur am Rand gefasst oder vollständig mit einem optisch klaren Material gefüllt wird.

Bauweise Material im Sichtbereich Geeignet, wenn Ungeeignet, wenn
Kontrollierter Luftspalt Definierter Luftraum zwischen Deckglas beziehungsweise Touchschicht und Display Das Display austauschbar bleiben muss, das Umgebungslicht beherrscht wird und mechanische Entkopplung Vorrang hat Reflexion, Parallaxe, Staub oder Kondensat im Hohlraum die Einsatzanforderung verletzt
HMI-Randverklebung oder Dichtung Im Fenster bleibt Luft; ein umlaufender Rahmen positioniert oder dichtet die Teile Ein schmaler Fügebereich, ein definierter Hohlraum und mögliche Demontage zum Gehäusekonzept passen Von der Randverklebung erwartet wird, dass sie optische Luftgrenzflächen beseitigt
OCA-Folie Eine vorgeformte optisch klare Klebefolie füllt die vorgesehene Grenzfläche Geometrie und Druckstufen kontrolliert sind, die Laminierung wiederholbar ist und eine qualifizierte Klebstofftype vorliegt Wölbung, Kunststoffe, Beschichtungen oder Stufen für die gewählte Folie nicht beherrscht sind
LOCA/OCR-Flüssigmaterial Ein dosierter optischer Flüssigklebstoff füllt den Spalt und härtet in der Baugruppe aus Eine geformte oder variable Spaltgeometrie gefüllt werden muss und Dosierung, Begrenzung, Härtung und Rework definiert sind Schattenzonen, Überlauf, Härtungszugang oder Belastungsgrenzen des Displays offenbleiben

Eine Vollverklebung ist erst dann freizugeben, wenn der optische Gewinn gegen mechanische und servicebezogene Nachteile belegt ist. Ein bei Raumtemperatur klar wirkendes Muster sagt noch nichts über Bildhomogenität bei Wärme und Kälte, Touchverhalten, Gehäusedichtheit oder Reparaturfähigkeit aus.

Für einen projektspezifischen Aufbau beginnt die Prüfung der HMI-Baugruppe mit Displayfenster mit der exakten Deckglaszeichnung, Displaytype und Revision, dem Touchsensoraufbau, einem Gehäuseschnitt, den Sichtbedingungen und der geplanten Austauscheinheit. Der Link beschreibt einen Integrationsweg, aber keinen bestimmten JASPER-Klebstoff und keinen unbestätigten Bonding-Prozess.

2. Deckglas, Touchsensor und Display vor der Klebstoffwahl definieren

Bei einer optischen Displayverklebung wird eine definierte Luftgrenzfläche im Sichtbereich durch transparentes Fügematerial ersetzt. Die Optical Bonding FAQ von Planar beschreibt das Füllen des Spalts zwischen LCD und Deckglas beziehungsweise Touchscreen. Eine Randverklebung ist davon zu trennen: Klebstoff oder Dichtung umläuft das Fenster, während über dem Display Luft verbleibt.[1]

Die Baugruppe darf deshalb nicht auf „Glas plus LCD“ verkürzt werden. Jede optische und mechanische Schicht gehört in den Schnitt:

Bedienperson und Umgebungslicht
        ↓
Außentextur oder Antiglare-/Antireflex-Beschichtung
        ↓
Deckglas aus Glas oder Acryl
        ↓
Hinterdruck, Schwarzmaske, Sichtfenster, Druckstufe
        ↓
optionaler PCAP-Touchsensor mit eigener Klebeschicht
        ↓
Luftspalt, Randhohlraum, OCA-Folie oder LOCA/OCR
        ↓
Displaypolarisator, aktive Fläche, Sichtfläche, Modulrahmen
        ↓
Tragrahmen, Schaum/Dichtung, Befestiger, Leiterplatte, Gehäuse

Drei Grenzflächen benötigen getrennte Antworten:

  1. Wird das Deckglas mit einem separaten Touchsensor verklebt?
  2. Wird das Deckglas oder der Touchsensor vollflächig mit dem Display verbunden?
  3. Wird der Frontaufbau durch Randklebstoff, Dichtung, Blende oder Befestiger im Gehäuse gehalten?

Ein Projekt kann diese Fragen der Reihe nach mit „ja“, „nein“ und „ja“ beantworten. Wird die gesamte Front pauschal als „optisch gebondet“ bezeichnet, bleiben Prozessverantwortung, Servicegrenzen und mögliche Fehlerorte verborgen.

Die CapTIvate-Konstruktionshinweise von Texas Instruments behandeln Overlaymaterial, Klebstoff, Übergangsschichten, Luftspalte, Feuchte, Displaynähe, Sensorgeometrie und Controllerverhalten als zusammenwirkende Größen.[2] Ein vor der Endmontage abgestimmter Touchcontroller ist daher nach Einbau von Display, Masseführung, Deckglas und Gehäuse erneut zu prüfen. Elektroden, Anschlussfahne, Controller und Tuning bilden einen eigenen Arbeitsumfang; hier geht es um die displaysseitige Grenzfläche.

Cross section comparing HMI air gap perimeter bond OCA and LOCA constructions

3. Was der Luftspalt optisch verändert

Ein Luftspalt erzeugt zusätzliche Brechungsindexsprünge an den Übergängen Deckglas–Luft und Luft–Display. An diesen inneren Grenzflächen reflektiertes Umgebungslicht überlagert die Bildinformation. EIZO und Planar beschreiben Optical Bonding als Füllen dieses Spalts mit transparentem Material, wodurch innere Reflexionen sinken und der wahrgenommene Kontrast in heller Umgebung steigen kann.[1][3]

Die Reflexion an der Außenseite verschwindet dadurch nicht. Oberflächentextur, Antiglare- oder Antireflex-Beschichtung, Fingerabdrücke, Tönung, Displayleuchtdichte, Einbauwinkel und Richtung des Umgebungslichts bestimmen die Ablesbarkeit weiterhin mit. Verglichen wird deshalb der vollständige Aufbau unter der spezifizierten Einsatzbedingung; ein allgemeiner Reflexionswert ohne Messgeometrie ist keine Freigabegrundlage.

Parallaxe und Touchregistrierung

Parallaxe ist die scheinbare Verschiebung zwischen Bildebene und Frontoberfläche bei schrägem Blick. Mit wachsendem physischem Abstand wird sie in der Regel deutlicher. Optical Bonding kann den vorgesehenen Abstand verkleinern, korrigiert aber weder ein versetztes Sichtfenster noch eine falsche Koordinatenabbildung, verdeckte Displaypixel oder zu kleine Bedienziele im realen Sichtkegel.[3]

Die Freigabe erfolgt aus den tatsächlichen Augenpositionen der Bedienperson. Dazu gehören Ziele in Mitte, Rand und Ecke, der normale Montagewinkel, vorgeschriebene Handschuhe und die fertige Blende. Ein frontal aufgenommenes Produktfoto ist kein Parallaxentest.

Newtonringe und nahezu anliegende Flächen

Newtonringe sind Interferenzmuster eines dünnen Luftfilms, dessen Dicke zwischen zwei optischen Flächen variiert. Die Physikreferenz der Boston University zeigt diesen Zusammenhang an einer gekrümmten Fläche über einer ebenen Fläche.[4] Wandernde farbige Ringe können bei einem HMI auf lokale Annäherung oder Berührung statt auf einen kontrollierten Abstand hinweisen.

Zu prüfen sind Deckglaswölbung, Displayebenheit, Abstandhalterhöhe, Dichtungskompression, Blendendruck, Gehäuseverwindung und Temperatur. Die Abhilfe kann ein größerer definierter Luftspalt, eine Vollverklebung, eine andere Abstützung oder eine engere Ebenheitsvorgabe sein. Keine einzelne Distanz verhindert Interferenzringe in jedem Aufbau.

Optische Entscheidungsgrenze

Der Vergleich braucht vorab festgelegte Bedingungen: Umgebungsbeleuchtungsstärke oder reproduzierbare Einsatzsimulation, Bildinhalt, Helligkeit, Blickwinkel, Oberflächenzustand und Bewertungsmethode. Wo praktisch möglich, wird dasselbe Display hinter demselben Deckglas einmal mit Luftspalt und einmal vollverklebt beurteilt. Zu dokumentieren sind Schwarzwert, Blendung, Farbverschiebung, Bildhomogenität, Fensterregistrierung und Touchzuordnung, nicht nur der Eindruck „klar“.

4. HMI-Luftspalt und Randverklebung als Hohlraum konstruieren

Auch ein luftführender Aufbau benötigt einen kontrollierten Querschnitt. Zeichnung und Toleranzrechnung müssen Deckglas- und Displaybezüge, Nennabstand, ungünstigste Ebenheit und Wölbung, Positionen von Abstandhaltern oder Hartanschlägen sowie verbotene Kontaktzustände enthalten. Stoß, Vibration, Gehäusebiegung, Außendruck und Temperatur können einen bei Raumtemperatur ausreichenden Abstand aufbrauchen.

Eine HMI-Randverklebung oder Dichtung kann das Display positionieren, das Deckglas abstützen, einen lokalen Pfad schließen, Abstand halten, Bewegungen dämpfen oder spätere Demontage ermöglichen. Ein einzelnes Material erfüllt diese sechs Aufgaben nicht automatisch. Einzuzeichnen sind der durchgängige Verlauf, Stoßstellen, Ecken, Display-Keep-outs, Zielkompression, Hartanschläge, Belüftungs- oder Dichtweg und ein zugänglicher Ablösebereich.

Zum Luftvolumen gehört außerdem eine Feuchtestrategie. Belüftete, gefilterte, nominell geschlossene und druckausgeglichene Hohlräume verhalten sich verschieden. Planar und SCHURTER nennen das Füllen des Displayspalts als Möglichkeit, Staub oder Feuchte aus genau diesem Bereich auszuschließen.[1][5] Daraus wird das gesamte HMI nicht wasserdicht. IEC 60529 klassifiziert den Schutz des geprüften Gehäuses einschließlich Öffnungen, Fugen, Kabeln, Befestigern und Montage, nicht den einer einzelnen Deckscheibe oder eines Kleberahmens.[6]

Ein kontrollierter Luftspalt oder eine Randverklebung passt, wenn:

  • das Display ein separat austauschbares Modul bleibt;
  • die optische Leistung in der eingebauten Umgebungslichtsituation besteht;
  • Displaygrenzen die vorgesehene Laminierung, den Druck oder die Härtung ausschließen;
  • Deckglas und Display mechanisch entkoppelt werden müssen;
  • für Größe und Materialien kein qualifizierter Vollbond-Prozess verfügbar ist;
  • Displaywechsel über den Produktlebenszyklus wahrscheinlich sind; oder
  • das Ersatzteilkonzept keine gebondeten Komplettmodule tragen kann.

Eine Randverklebung ist ungeeignet, wenn innere Reflexion, Parallaxe oder Kontamination im Sichtbereich beseitigt werden müssen. Dort bleibt Luft.

5. HMI Optical Bonding spezifizieren: OCA oder LOCA?

OCA und LOCA füllen beide eine optische Grenzfläche, verlangen aber unterschiedliche Fertigungskontrollen. Die Klebstofffamilie allein ist keine Produktionsspezifikation. Festzulegen sind Hersteller, exakte Type, Foliendicke beziehungsweise Flüssig-Bondline, Lagerung, Oberflächenvorbereitung, Vorrichtung, Prozessrezept, Prüfverfahren, Rework-Regel und freigegebene Substrate.

OCA-Folie

Optically Clear Adhesive wird als Folie mit definierter Nenndicke und Trennlinern geliefert. Sie eignet sich für ebene, beherrschte Aufbauten, in denen sich die konturgeschnittene Folie ohne Partikel, Falten, Lufteinschlüsse oder unbenetzte Topografie ausrichten und laminieren lässt. Flüssigdosierung und In-situ-Härtung entfallen; Reinigung, Linerabzug, Druckabstützung, Ausrichtung und Inspektion bleiben jedoch kontrollierte Prozessschritte.

Das technische Datenblatt der 3M-Serie ACO 01N-XXX von 2024 nennt für Verbindungen Deckglas–Sensor oder Sensor–Sensor Dicken von etwa 50 bis 250 µm.[7] Diese Spanne gilt für die genannte Produktfamilie und nicht für jede Displayverklebung. 200 µm dienen hier ausschließlich als vorläufiger CAD-Rechenwert und sind keine JASPER-Spezifikation. Für eine Konstruktion gelten nur die Daten der gewählten Type zusammen mit Druckstufe, Substrat, Ebenheit, Displaygrenzen und Laminierprozess.

Für Zeichnungs- und Prozessprüfung sind mindestens sechs OCA-Fragen zu beantworten:

  1. Benetzt die Folie die Schwarzmasken- oder Dekordruckstufe ohne sichtbare Fehlstelle?
  2. Ist sie für Deckglas, Beschichtung, Druck, Touchsensor, ITO-Fläche, Polarisator und Einsatzumgebung freigegeben?
  3. Welche Druck-, Temperatur-, Walzen-, Vakuum- und Abstützbedingungen erlaubt der Lieferant?
  4. Wie werden Linerreste, Partikel, Blasen, Falten, Randaustritt und Versatz geprüft?
  5. Welche Lager-, Konditionierungs-, Haltbarkeits- und Chargenregeln gelten?
  6. Lässt sich der Verbund ohne unzulässige Schäden an Polarisator, Sensor, Beschichtung, Druck oder Deckglas trennen?

LOCA- oder OCR-Flüssigmaterial

Liquid Optically Clear Adhesive beziehungsweise Optically Clear Resin wird in die definierte Grenzfläche dosiert und nach der Ausrichtung gehärtet. Das Fließverhalten kann Geometrien füllen, die für eine ebene Stanzfolie schwierig sind. Dafür entstehen Anforderungen an Dosiervolumen, Damm oder Randbegrenzung, Überlauf, Entlüftung, Härtungszugang, Schrumpfung und Reinigung. SCHURTER unterscheidet flüssiges von trockenem beziehungsweise vorgeschnittenem Bonding; Dymax veröffentlicht Displaymaterialien mit unterschiedlichen Viskositäten und Rework-Eigenschaften.[5][8]

Für eine LOCA/OCR-Freigabe sind folgende Punkte zu klären:

  • Welche Viskosität und welches Fließverhalten passen zu Spalt, Displaygröße, Rand und Dosierweg?
  • Erreicht UV- oder sichtbares Licht alle Härtungsbereiche unter Schwarzmasken, Rahmen, Flexleitungen und opaken Strukturen?
  • Wie werden Bondline, Fließfront, Blasen, Überlauf und Verunreinigung gemessen?
  • Wie stützt die Vorrichtung das Display ohne ungleichmäßige Belastung?
  • Welche Härtungsenergie, Belichtungsgeometrie, Nachhärtung und Verifikation fordert der Materiallieferant?
  • Wo liegen die Grenzen der gewählten Type für Schrumpfung, Modul, Wärmeausdehnung, Vergilbung und Rework?

Aussagen von Dymax zu geringer Schrumpfung, reduzierten Lufteinschlüssen und Rework beziehen sich auf benannte Produkte, etwa Materialien der 9700-Serie.[8] Sie sind keine allgemeine LOCA-Garantie. Eine fühlbar harte Oberfläche beweist keine vollständige Durchhärtung im Produktionsaufbau.

Auswahlfrage OCA-Folie LOCA/OCR-Flüssigmaterial
Lieferform Konturgeschnittene Haftklebefolie mit Linern Dosierte Flüssigkeit oder Gel
Bevorzugte Geometrie Ebene, kontrollierte Grenzfläche Variable Spalte, geformte Flächen oder definierte Fließwege
Hauptprozessrisiken Partikel, Falten, Ausrichtung, Linerhandhabung, Stufenbenetzung Blasen, Dosiervolumen, Überlauf, Härtungsschatten, Schrumpfung
Dickenkontrolle Gewählte Folientype plus Laminierung Dosierung, Vorrichtung, Abstandhalter, Fließen und Härtung
Kunststoffdeckglas Typabhängige Prüfung von PC/PMMA-Haftung und Ausgasung Typabhängige Prüfung von Chemie, Fluss, Härtung, Spannung und Oberfläche
Rework Abhängig von Folie, Substrat, Alter, Werkzeug und Schadensgrenze Abhängig von ausgehärteter Chemie, Trennverfahren und Schadensgrenze

Keine Tabellenzeile ersetzt die technischen Daten des Klebstoff- und Displaylieferanten. 3M und tesa bieten eigene OCA-Typen für Kunststoffdeckgläser, hohe Druckstufen oder gekrümmte Aufbauten an. Gerade diese Spezialisierung zeigt, dass die Auswahl auf Typebene erfolgen muss.[9][10]

6. Glas und Acryl verändern die Bonding-Entscheidung

Das Deckglas beeinflusst nicht nur die Optik. Ebenheit, Steifigkeit, Wärmeausdehnung, Oberflächenchemie, Druckstufenhöhe, Kanten, optische Ausrüstung, Schlagverhalten, Reinigung und Ersatzkosten wirken auf den gesamten Aufbau.

Ein Glas-Typenschild mit Displayfenster kann eine steife bedruckte Front, ein klares Sichtfenster und Touchgrafiken bereitstellen. Die Zeichnung muss dennoch Glasart, Festigkeitszustand, Kantenbearbeitung, Bohrungen, Ausschnitte, Wölbung, Beschichtungen, Druck, Schwarzmaske, Bonding-Seite und Montagelast ausweisen. Ein steifes Glas kann Rahmen- oder Vorrichtungsfehler in ein empfindliches Display übertragen, wenn der Lastpfad falsch angelegt ist.

Bei Deckgläsern aus Acryl oder Polycarbonat sind Werkstofftype, Herstellweg, Hartbeschichtung, Feuchte- und Flüchtigstoffabgabe, Kriechen, Wärmeausdehnung, Druck- und Beschichtungsverträglichkeit, Kratzanforderung und Vorrichtungsabstützung zu prüfen. Die Produktinformationen zu 3M 817XCL und 826XN benennen kunststoff- und ausgasungsbezogene Anforderungen für genau diese OCA-Familien.[9] Das begründet eine Verträglichkeitsprüfung, genehmigt aber nicht pauschal jede PMMA-Platte, Farbe, Beschichtung oder HMI-Umgebung.

Weder die scheinbare Ebenheit von Glas noch das geringe Gewicht von Acryl rechtfertigt allein eine Vollverklebung. Maßgeblich ist die seriennahe Baugruppe nach Druck, Beschichtung, Konditionierung, Montage und Temperatureinwirkung, nicht die blanke Eingangsplatte.

7. Der Lastpfad entscheidet über Display-Mura

Mura bezeichnet sichtbare Helligkeits- oder Farb-Inhomogenität. Eine Vollverklebung koppelt Deckglas, Klebstoff, Touchschicht und Display mechanisch. Ungleichmäßige Bondline, Härtungsschrumpfung, Vorrichtungsdruck, Rahmenabstützung, Dichtungskompression, Schraubenlast oder Wärmeausdehnung können sich als heller oder dunkler Fleck, Farbverschiebung oder Druckmarke zeigen.

Deckglaswölbung / Druckstufe / Bondline-Abweichung
                    ↓
Klebstoffmodul, Härtung und lokale Zwangslage
                    ↓
ungleichmäßige Last auf Displaypolarisator und Zelle
                    ↓
zusätzliche Spannung durch Rahmen, Dichtung, Schrauben und Gehäuse
                    ↓
Bildinhomogenität der eingebauten HMI-Baugruppe bei Wärme oder Kälte

Der Lastpfad wird über vom Displaylieferanten erlaubte Stützzonen und Keep-outs, Ebenheit von Deckglas und Rahmen, gleichmäßige Vorrichtungsabstützung, Bondline-Mapping, Hartanschläge, Dichtungskompression, Anzugsfolge und Bildprüfung im eingebauten warmen und kalten Zustand kontrolliert. Das Gehäuse darf ein Display nicht gewaltsam planziehen. Optischer Klebstoff ist kein Ausgleichsmaterial für eine unbeherrschte Rahmengeometrie.

Symptom Mögliche Ursache im Aufbau Zuerst zu erhebende Evidenz
Ring- oder Streifenmuster Dünner variabler Luftfilm, lokale Annäherung, Wölbung Ebenheit, Abstandhalter, Kontakt, Druck und Temperaturkarte
Blase nach Konditionierung Partikel, unvollständige Benetzung, Gas, Kunststoffausgasung, Prozessdrift Blasenposition, Materialcharge, Substrat, Rezept und Belastungshistorie
Randablösung Oberflächenvorbereitung, Verunreinigung, Randspannung, Deckglas-/Rahmenbewegung Randlastpfad, Bonding-Kontur und Oberflächenzustand
Druckmarke oder Mura Bondline-Abweichung, Vorrichtung, Dichtung, Befestiger, thermische Fehlanpassung Bildkarte frei und eingebaut über Temperatur
Touchversatz nach dem Bonding Geänderter dielektrischer Aufbau, Blase, Displaystörung, Masseführung, Tuning Rohdaten vor und nach dem Bonding oder kontrollierter Funktionsvergleich
Kondensat im Fenster Feuchter Hohlraum, Leck- oder Belüftungsweg, kalte Oberfläche Hohlraumgrenze, Montagefeuchte und Taupunktbedingung

Die Tabelle legt den nächsten Prüfschritt fest. Sie ersetzt keine Ursachenanalyse am realen Muster.

8. Die Austauscheinheit vor der Vollverklebung festlegen

Durch eine vollflächige Verklebung werden Deckglas, Touchsensor und Display häufig zu einem Servicemodul. Das kann einen Feldtausch vereinfachen, wenn gebondete Ersatzmodule verfügbar sind, erschwert aber die Reparatur nur des Displays. Die Herstellerangabe „reworkfähig“ beweist nicht, dass geschultes Servicepersonal jedes Bauteil schadlos zurückgewinnen kann.

Servicefrage Luftspalt / Randverklebung Vollflächiges Optical Bonding
Lässt sich nur das Display entnehmen? Häufig ja, wenn Randfuge, Kabelzugang und Hohlraumreinigung dafür konstruiert sind Nicht voraussetzen; Trennprozess und Schadensgrenzen müssen validiert sein
Was liegt als Ersatzteil vor? Display, Front, Dichtung und Befestiger können getrennt bleiben Praktisch kann ein gebondetes Deckglas-Touch-Display-Modul erforderlich sein
Größtes Reparaturrisiko Staub, Fingerabdrücke, Ausrichtung, Dichtungsschaden, erneute Abdichtung Polarisator, Beschichtung, Druck, Sensor, Deckglas, Rückstände, Wärme- oder Werkzeugschaden
Was ist erneut zu prüfen? Sauberkeit, Ausrichtung, Touchfunktion und Gehäusedichtung Funktion des Bondmoduls plus Gehäusedichtung, Touchzuordnung und Displayeinstellungen
Wann ist der Weg vorzuziehen? Displaywechsel oder Feldreparatur sind zu erwarten Modultausch ist akzeptabel und optische Leistung hat Vorrang

Optical Bonding ist ungeeignet, wenn das Geschäft einen Displaytausch im Feld verlangt, keine gebondeten Ersatzmodule bereitgestellt werden können, das Trennverfahren unqualifiziert ist oder die erwartete Displaylebensdauer unter der Lebensdauer der Front liegt. Vor der Werkzeugfreigabe sind Feld- und Werksaustauscheinheit, Wiederverwendungsregel, Trennwerkzeuge, Lösemittelgrenzen, Schadenskriterien und Endprüfung festzulegen.

Genannte Kundenreferenzen nach HMI-Umfeld

Kunde Land Bereich
Beckhoff Automation Deutschland Industrieautomation und Steuerungstechnik
Kongsberg Maritime Norwegen Marineelektronik und Schiffsausrüstung
Mettler Toledo Vereinigte Staaten Industrielle Messtechnik und Laborausrüstung

Das JASPER-Geschäftsteam hat ausschließlich diese Namen, Länder und Bereiche bereitgestellt. Industrie-, Marine- und Laborumgebungen können unterschiedliche Anforderungen an Service, Sonnenlicht, Reinigung, Kondensation und Bonding stellen. Der Artikel schreibt jedoch keinem genannten Unternehmen einen bestimmten Deckglasaufbau, eine Einsatzbedingung, ein geliefertes Bauteil, einen IP-Code, ein Prüfergebnis, eine Stückzahl oder eine Empfehlung zu.

9. Die tatsächliche Deckglas-Touch-Display-Baugruppe validieren

Ein Freigabemuster muss Displaytype und Revision, Deckglaswerkstoff, Druck, Touchsensor, Klebstofftype, Vorrichtung, Tragrahmen, Dichtung, Befestiger, Gehäuse, elektrische Masseführung, Controller- und Displayeinstellungen abbilden. ISO 9241-210:2019 ordnet menschzentrierte Gestaltungsaktivitäten über den Lebenszyklus eines interaktiven Systems ein. Für diese Entscheidung bedeutet das: reale Sicht-, Bedien- und Servicebedingungen prüfen, nicht nur den Laminierprozess.[11]

Die Evidenz wird stufenweise aufgebaut:

  1. Architekturmuster: Oberflächenausrüstung, Luftspalt/Randverklebung und Vollbond auf der vorgesehenen Displayfamilie vergleichen.
  2. Seriennahe optische Baugruppe: kontrollierte Bauteile, Reinigung, Laminierung oder Dosierung, Härtung und Prüfung verwenden.
  3. Eingebautes HMI: Serienrahmen, Dichtung, Kabel, Befestiger, Leiterplatte, Masseweg, Gehäuse und Softwarezuordnung ergänzen.
  4. Prozess- und Änderungsevidenz: relevante Chargen von Deckglas, Display und Klebstoff sowie Prozess- und Servicebedingungen abdecken.

Über die deutsche Seite für Prüfung und Validierungsplanung lassen sich Prüfung, Bedingung, Methode, Musterstufe und Eigentümer zuordnen. Im Projekt ist zu bestätigen, welche Prüfungen JASPER übernimmt, welche beim Display- oder Klebstofflieferanten liegen und welche der OEM am fertigen Produkt verantwortet.

Validierungsbereich Kontrollierte Bedingung Aufzubewahrende Evidenz Fehlersignal
Optische Ablesbarkeit Definiertes Umgebungslicht, Winkel, Inhalt, Helligkeit sowie saubere und verschmutzte Oberfläche Bilder plus dokumentierte visuelle oder instrumentelle Methode Aufgehelltes Schwarz, Blendung, geringer Kontrast, Farbverschiebung
Parallaxe / Registrierung Mitte, Rand, Ecke und eingebauter Sichtkegel Fenster-, Bild- und Touchkoordinaten Scheinbarer Iconversatz, verdeckte Pixel, Touchabweichung
Bondqualität Materialcharge, Reinigung, Rezept, Vorrichtung und Prüflicht Karte für Blasen, Fehlstellen, Einschlüsse, Falten, Rand und Bondline Blasenwachstum, Randablösung, Partikel, Überlauf
Bildhomogenität Testbilder, Helligkeitsstufen, freier/eingebauter Rahmen, warme und kalte Zustände Mura- oder Druckmarkenkarte Heller/dunkler Fleck, Farbverschiebung, Druckmarke
Touchverhalten Display an/aus, trocken, spezifizierte Handschuh-/Feuchtezustände, elektrische Störlagen Sensorrohdaten oder kontrolliertes Funktionsergebnis Fehlende oder falsche Betätigung, Randfehler
Mechanik Montage, Drehmoment, Gehäusebiegung, projektspezifischer Stoß und Vibration Bild-, Bond- und Maßprüfung vorher/nachher Kontakt, Riss, Verschiebung, Delamination
Temperatur / Feuchte Freigegebene Lager- und Betriebsprofile mit definierter Verweilzeit Optik-, Bond-, Touch-, Bild- und Hohlraumdaten Kondensat, Blase, Verzug, Touchdrift
Reinigung / Chemikalien Benanntes Mittel, Methode, Kraft, Einwirkzeit und Zyklen Prüfung von Oberfläche, Rand, Druck, Beschichtung und Bond Haze, Beschichtungsverlust, Randangriff, Druckänderung
Service Freigegebener Ausbau, Ersatz, erneute Abdichtung und Endprüfung Zeit, Schäden, Rückstände und Wiederverwendungsentscheidung Polarisatorschaden, Glasbruch, undichte Neuabdichtung
Dokumentation Freigegebene Zeichnung, Stückliste, Rezept, Prüfplan und Abweichungen Revisions- und Chargenrückverfolgbarkeit Unfreigegebener Ersatz oder Prozessdrift

Akzeptanzkriterien stammen aus der OEM-Anforderung, den Vorgaben von Display- und Klebstofflieferant sowie der bestätigten Fertigungsfähigkeit. Die Matrix nennt bewusst keinen allgemeingültigen Grenzwert für Blasen, Mura, Temperatur, Lebensdauer oder Dichtheit.

Komponentenevidenz von Gehäusekonformität trennen

Eine Vollverklebung kann den gefüllten Spalt als Staub- oder Feuchtereservoir beseitigen. Sie vergibt keinen IP-Code für das Endgerät. IEC 60529 bezieht sich auf den Schutz der geprüften Gehäusekonfiguration.[6] Medizinische, automotive, maritime oder industrielle Freigaben bleiben ebenso an die einschlägigen Anforderungen des Endprodukts und den verantwortlichen Systemhalter gebunden. Komponentenfertigung ist weder Endgerätevalidierung noch regulatorische Zulassung.

10. Zeichnungs- und Musterfreigabe für das HMI Optical Bonding

Ein beschaffungsreifes Paket muss Deckglas-, Display-, Touch-, Bonding-, Mechanik-, Elektrik-, Qualitäts- und Serviceverantwortlichen dieselbe Revision zeigen. Vor einer Konstruktionsempfehlung werden folgende Angaben benötigt:

  1. Deckglas: Werkstoff und Type, Kontur, Dicke, Kanten, Bohrungen, Ausschnitte, Beschichtung, Textur, Druck, Schwarzmaske, Sichtfenster, Ebenheit und Kosmetikzonen.
  2. Display: Hersteller, Modell und Revision, aktive und sichtbare Fläche, Kontur, Polarisator, Stützzonen, Keep-outs, Kabel, Montage, Druckgrenzen, Handhabung, Lagerung und Betrieb.
  3. Touchsystem: Sensorzeichnung, aktiver Rand, Anschlussfahne, Controller, Firmware, Masse/Schirmung, aktueller Tuningstand und Displaystörungen.
  4. Grenzfläche: Luftspalt, Randklebstoff/Dichtung oder exakter OCA-/LOCA-Hersteller mit Type; Bondkontur, Bondline-Ziel, Oberflächenvorbereitung, Vorrichtung und Laminier-/Dosier-/Härtungsplan.
  5. Mechanischer Aufbau: Gehäuse-CAD, Blende, Rahmen, Schaum, Dichtung, Hartanschläge, Befestiger, Drehmoment, Belüftung, Ablauf, Montagewinkel und Servicezugang.
  6. Einsatzbedingungen: Bedienpositionen, Umgebungslicht, Bildinhalt, Zielgrößen, Handschuhe, Temperatur, Feuchte, UV, Reinigung, Vibration, Stoß und Schlag.
  7. Akzeptanz: Methoden für Optik, Kosmetik, Blasen/Einschlüsse, Registrierung, Mura, Touch, Gehäuse und Service mit definierten Bedingungen.
  8. Lebenszyklus: Prototypstufen, erwartetes Produktionsprofil, Displayversorgung, freigegebene Alternativen, Ersatzteile, Austauscheinheit und Änderungseigentümer.

Schichtquerschnitt, Bezugssystem, Toleranzen und Werkstoffangaben gehören auf eine gelenkte Zeichnung. Der Vermerk „Display optisch bonden“ ist unvollständig.

Abschluss der Musterfreigabe

  • [ ] Displaymodell und Revision stimmen mit dem Freigabedatensatz überein.
  • [ ] Deckglas, Druck, Beschichtung, Touchsensor, Klebstoff und Rahmen entsprechen der freigegebenen Stückliste.
  • [ ] Klebstoffcharge, Lagerstatus, Oberflächenvorbereitung, Vorrichtung und Prozessrezept sind rückverfolgbar.
  • [ ] Die optische Prüfung verwendet freigegebenes Umgebungslicht und freigegebene Blickwinkel.
  • [ ] Die Bildhomogenität wird frei und eingebaut bei den geforderten Temperaturen geprüft.
  • [ ] Touchzuordnung und Störverhalten werden nach der Endmontage geprüft.
  • [ ] Hohlraum-, Gehäuse- und Servicetests verwenden seriennahe Fugen und Kabel.
  • [ ] Kriterien für Blasen, Einschlüsse, Rand und Kosmetik nennen Beleuchtung, Abstand, Fläche und Konditionierung.
  • [ ] Rework-Historie und Entscheidung über wiederverwendete Teile sind dokumentiert.
  • [ ] Jede Änderung an Material, Display, Prozess oder Akzeptanz löst die festgelegte Revalidierung aus.

11. Häufige Fragen zu HMI Optical Bonding

Ist HMI Optical Bonding immer besser als ein Luftspalt?

Nein. HMI Optical Bonding ist vorzuziehen, wenn innere Reflexionen, Parallaxe oder Verunreinigungen im Sichtspalt reduziert werden müssen und Klebstoffverträglichkeit, Displaybelastung, Prüfung und Service beherrscht sind. Ein Luftspalt ist häufig besser für ein austauschbares Display, moderate optische Anforderungen, mechanische Entkopplung oder eine unsichere Displayversorgung.

Ist eine HMI-Randverklebung dasselbe wie Optical Bonding?

Nein. Randklebstoff oder eine Dichtung befestigt beziehungsweise beabstandet Bauteile um das Fenster, während im Sichtbereich Luft bleibt. Eine vollflächige optische Verklebung füllt die definierte Sichtgrenzfläche mit transparentem Klebstoff oder Harz. Der Randrahmen kann Dichtungs- oder Serviceziele unterstützen, beseitigt aber keine inneren Luftgrenzflächen.

Worin unterscheiden sich OCA und LOCA?

OCA ist eine vorgeformte optisch klare Klebefolie, die mit kontrolliertem Linerabzug, Ausrichtung, Druck und Sauberkeit laminiert wird. LOCA beziehungsweise OCR wird als Flüssigkeit oder Gel dosiert und nach der Ausrichtung gehärtet. Geometrie, Substrate, Druckstufen, Härtungszugang, Spannung, Anlagen, Prüfung und Rework bestimmen die geeignete Variante.

Beseitigt Optical Bonding jede Spiegelung am Display?

Nein. Optical Bonding kann Reflexionen an der gefüllten inneren Luftgrenzfläche reduzieren. Die Reflexion an der äußeren Deckglasoberfläche bleibt. Textur, Antiglare- oder Antireflex-Beschichtung, Tönung, Fingerabdrücke, Displayhelligkeit, Richtung des Umgebungslichts und Montagewinkel bestimmen weiterhin das eingebaute Ergebnis.

Kann ein HMI-Deckglas aus Acryl optisch verklebt werden?

Grundsätzlich ja, jedoch müssen die genaue Acryl- oder Polycarbonattype, Beschichtung, Druckfarbe, Klebstofftype, Ausgasung, Ebenheit, Wärmeausdehnung, Einsatzumgebung und der Prozess gemeinsam qualifiziert werden. Kunststoffspezifische OCA-Familien von 3M und tesa zeigen, warum die Auswahl eines beliebigen „klaren Klebstoffs“ nicht ausreicht.[9][10]

Lässt sich das Display nach einer Vollverklebung austauschen?

Mitunter ist das über einen validierten Trenn- und Reinigungsprozess im Werk möglich. Eine Wiederverwendung darf nicht vorausgesetzt werden: Beim Ausbau können Displaypolarisator, Touchsensor, Beschichtung, Druck, Deckglas oder Klebefläche beschädigt werden. Für Feldservice sind ein modularer Luftspaltaufbau und ein komplettes gebondetes Ersatzmodul gegeneinander abzuwägen.

Erhält das HMI durch Optical Bonding eine IP-Schutzart?

Nein. Das Füllen eines optischen Spalts kann einen einzelnen Hohlraum beseitigen, doch IEC 60529 bewertet den Schutz des geprüften Gehäuses.[6] Deckglasbefestigung, Blende, Dichtung, Befestiger, Kabelausgänge, Belüftungen, Öffnungen, Gehäuse und Montageprozess beeinflussen gemeinsam die Schutzwirkung des Endgeräts.

Warum kann ein optisch gebondetes Display Mura entwickeln?

Ungleichmäßige Bondline, Härtungsschrumpfung, Deckglaswölbung, Vorrichtungsdruck, Rahmenabstützung, Dichtungskompression, Befestigerlast oder thermische Fehlanpassung können ungleichmäßige Spannungen in das Display übertragen. Die Bildhomogenität ist frei und eingebaut mit definierten Testbildern unter den warmen und kalten Projektbedingungen zu prüfen.

12. Deckglas- und Displayintegration gemeinsam prüfen

Die Konstruktionsfrage lautet nicht „hochwertiger Bond oder billiger Luftspalt“. Verglichen werden zwei optische Pfade, zwei mechanische Lastpfade und zwei Servicestrategien. Der luftführende Aufbau passt, wenn er die Sichtanforderungen bereits erfüllt und wertvolle Modularität bewahrt. Eine Vollverklebung ist nur dann sinnvoll, wenn ihr optischer Nutzen erforderlich ist und sich die vollständige Deckglas-Touch-Display-Gehäuse-Baugruppe qualifizieren lässt.

JASPER ist eine mögliche Anlaufstelle für die HMI-Integrationsprüfung, jedoch nicht die einzige Quelle für Displays oder Optical Bonding. Für einen schriftlichen Umfang werden Deckglaszeichnung, exakte Displayrevision, Touchaufbau, Gehäuseschnitt, geplante Grenzfläche, Einsatzbedingungen, Akzeptanzplan und Servicestrategie über die HMI-Baugruppe mit Displayfenster bereitgestellt. Der Umfang muss die Verantwortung für Deckglasfertigung, Displaylieferung, Bonding, Touchtuning, Inspektion, Validierung, Konformität und Änderungsfreigabe benennen. Weitere Fachbeiträge sind im deutschen Blog gebündelt.

Quellen

  1. Planar Systems, Optical Bonding FAQ.
  2. Texas Instruments, CapTIvate Technology Guide: Design Guide.
  3. EIZO, About EIZO Optical Bonding.
  4. Boston University Physics, Newton's Rings.
  5. SCHURTER, Optical Bonding of Displays - A Must-Have for Your Application?
  6. International Electrotechnical Commission, IEC 60529: Degrees of Protection Provided by Enclosures (IP Code), Edition 2.2.
  7. 3M, Automotive Converted Optically Clear Adhesive Film ACO 01N-XXX Series Technical Data Sheet, 2024.
  8. Dymax, Optical Display Bonding.
  9. 3M, OCA 817XCL Series sowie CEF06XXN / 826XN Series. und
  10. tesa, Optically Clear Adhesives.
  11. International Organization for Standardization, ISO 9241-210:2019 - Human-centred Design for Interactive Systems.
  12. Alexander Sommerfeld, Avnet, Know Your Bonds: LOCA, OCA & Air Gap, 29. Januar 2025.

Häufig gestellte Fragen

Ist HMI Optical Bonding immer besser als ein Luftspalt?

Nein. HMI Optical Bonding ist vorzuziehen, wenn innere Reflexionen, Parallaxe oder Verunreinigungen im Sichtspalt reduziert werden müssen und Klebstoffverträglichkeit, Displaybelastung, Prüfung und Service beherrscht sind. Ein Luftspalt ist häufig besser für ein austauschbares Display, moderate optische Anforderungen, mechanische Entkopplung oder eine unsichere Displayversorgung.

Ist eine HMI-Randverklebung dasselbe wie Optical Bonding?

Nein. Randklebstoff oder eine Dichtung befestigt beziehungsweise beabstandet Bauteile um das Fenster, während im Sichtbereich Luft bleibt. Eine vollflächige optische Verklebung füllt die definierte Sichtgrenzfläche mit transparentem Klebstoff oder Harz. Der Randrahmen kann Dichtungs- oder Serviceziele unterstützen, beseitigt aber keine inneren Luftgrenzflächen.

Worin unterscheiden sich OCA und LOCA?

OCA ist eine vorgeformte optisch klare Klebefolie, die mit kontrolliertem Linerabzug, Ausrichtung, Druck und Sauberkeit laminiert wird. LOCA beziehungsweise OCR wird als Flüssigkeit oder Gel dosiert und nach der Ausrichtung gehärtet. Geometrie, Substrate, Druckstufen, Härtungszugang, Spannung, Anlagen, Prüfung und Rework bestimmen die geeignete Variante.

Beseitigt Optical Bonding jede Spiegelung am Display?

Nein. Optical Bonding kann Reflexionen an der gefüllten inneren Luftgrenzfläche reduzieren. Die Reflexion an der äußeren Deckglasoberfläche bleibt. Textur, Antiglare- oder Antireflex-Beschichtung, Tönung, Fingerabdrücke, Displayhelligkeit, Richtung des Umgebungslichts und Montagewinkel bestimmen weiterhin das eingebaute Ergebnis.

Kann ein HMI-Deckglas aus Acryl optisch verklebt werden?

Grundsätzlich ja, jedoch müssen die genaue Acryl- oder Polycarbonattype, Beschichtung, Druckfarbe, Klebstofftype, Ausgasung, Ebenheit, Wärmeausdehnung, Einsatzumgebung und der Prozess gemeinsam qualifiziert werden. Kunststoffspezifische OCA-Familien von 3M und tesa zeigen, warum die Auswahl eines beliebigen „klaren Klebstoffs“ nicht ausreicht.[9][10]

Lässt sich das Display nach einer Vollverklebung austauschen?

Mitunter ist das über einen validierten Trenn- und Reinigungsprozess im Werk möglich. Eine Wiederverwendung darf nicht vorausgesetzt werden: Beim Ausbau können Displaypolarisator, Touchsensor, Beschichtung, Druck, Deckglas oder Klebefläche beschädigt werden. Für Feldservice sind ein modularer Luftspaltaufbau und ein komplettes gebondetes Ersatzmodul gegeneinander abzuwägen.

Erhält das HMI durch Optical Bonding eine IP-Schutzart?

Nein. Das Füllen eines optischen Spalts kann einen einzelnen Hohlraum beseitigen, doch IEC 60529 bewertet den Schutz des geprüften Gehäuses.[6] Deckglasbefestigung, Blende, Dichtung, Befestiger, Kabelausgänge, Belüftungen, Öffnungen, Gehäuse und Montageprozess beeinflussen gemeinsam die Schutzwirkung des Endgeräts.

Warum kann ein optisch gebondetes Display Mura entwickeln?

Ungleichmäßige Bondline, Härtungsschrumpfung, Deckglaswölbung, Vorrichtungsdruck, Rahmenabstützung, Dichtungskompression, Befestigerlast oder thermische Fehlanpassung können ungleichmäßige Spannungen in das Display übertragen. Die Bildhomogenität ist frei und eingebaut mit definierten Testbildern unter den warmen und kalten Projektbedingungen zu prüfen.

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